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14.06.13

Frankfurter Mediziner gewinnen neue Erkenntnisse zur Hepatitis B

Forscher des Frankfurter Universitätsklinikums haben herausgefunden, dass Vitamin-D-Mangel zur Ausbreitung des Hepatitis-B-Virus in der Leber beitragen könnte. Die im renommierten internationalen Fachmagazin Hepatology publizierten Studienergebnisse schaffen die Grundlage für ein neues und besseres Verständnis der Viruserkrankung.

„Unsere Resultate legen eine kausale Verbindung zwischen einem Vitamin-D-Mangel und einer hohen Konzentration von Hepatitis-B-Viren im Blut nahe“, erklärt Forschungsgruppenleiter Dr. Christian Lange.

Hepatitis B gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation wurden bereits 2 Milliarden Menschen mit dem Virus infiziert und die Krankheit ist für fast 600.000 Todesfälle im Jahr verantwortlich. Ein Forscherteam des Universitätsklinikums Frankfurt hat jetzt in einer Studie gezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel und der Ausbreitung des Hepatitis-B-Virus in der Leber besteht. Eine niedrige Vitamin-D-Konzentration im Serum war in dieser Studie eine der stärksten Determinanten für eine immunologisch unzureichend kontrollierte Hepatitis B mit hoher Konzentration des Hepatitis-B-Virus im Blut. Diese Erkenntnis eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die medikamentöse Behandlung der Erkrankung. Am 22.05.2013 wurden die Forschungsergebnisse im renommierten internationalen Fachmagazin Hepatology der weltweiten Wissenschaftscommunity vorgestellt.

„Man wusste bereits, dass Vitamin D das Immunsystem unterstützt und es gibt Belege, dass es eine Rolle bei wichtigen Lebererkrankungen wie etwa der Hepatitis C spielt“, erklärt Forschungsgruppenleiter Dr. Christian Lange. „Die Verbindung von Vitamin -D-Mangel und chronischer Hepatitis B war dagegen bisher unbekannt.“ In einer Studie konnte das Forschungsteam von Januar 2009 bis Dezember 2012 insgesamt 203 Patienten mit chronischer Hepatitis B untersuchen, die zuvor noch keine Behandlung für ihre Infektion erhalten hatten. Bei diesen wurde im Rahmen der Studie die Vitamin-D-Serumkonzentration (25-Hydroxyvitamin D) gemessen. Ausgeschlossen wurden Patienten, die auch mit dem Hepatitis-C-Virus, HIV oder Hepatitis-D-Virus infiziert waren, die exzessiv Alkohol konsumierten oder an Leberkrebs bzw. anderen bösartigen Tumoren litten.

Resultate zeigen klaren Zusammenhang

Die Ergebnisse zeigen, dass 37 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis B einen ausgeprägten Vitamin-D-Mangel aufwiesen (weniger als 10 ng/mL), 47 Prozent hatten einen mäßigen Vitamin-D-Mangel (zwischen 10-20 ng/mL) und nur bei 19 Prozent war der Vitamin-D-Level auf einem normalen Niveau (mehr als 20 ng/mL). Weitergehende Analysen belegen, dass eine hohe Konzentration von Hepatitis-B-Viren im Blut ein starker Indikator für einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel ist. Beispielsweise lag bei Patienten mit einer Hepatitis-B-DNA unter 2000 IU/mL die mittlere Vitamin-D-Serumkonzentration bei 17 ng/mL und bei Patienten mit einer Hepatitis-B-DNA von 2000 IU/mL und mehr (ein Schwellenwert, der eine Therapiebedürftigkeit anzeigt) bei 11 ng/mL.

Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten

Ein kausaler Zusammenhang beider Parameter wurde durch gegenläufige Entwicklungen der jeweiligen Serumkonzentrationen im Jahresverlauf nahegelegt: Stieg die Vitamin-D-Serumkonzentration durch den Einfluss des Sonnenlichtes im Sommer und Herbst, sank die Konzentration an Hepatitis-B-Viren im Blut (und  umgekehrt in Monaten mit niedriger Sonnenlichtexposition). „Unsere Resultate legen eine kausale Verbindung zwischen einem Vitamin-D-Mangel und einer hohen Konzentration von Hepatitis-B-Viren im Blut nahe“, erklärt Dr. Lange. Mit dieser Erkenntnis könnten sich neue Möglichkeiten für die Therapie der Viruserkrankung ergeben. „In weitergehenden Studien untersuchen wir derzeit, wie Vitamin D konkret zur Behandlung der chronischer Hepatitis B eingesetzt werden kann“, so Dr. Lange.

Publikation:

“Low Vitamin D Serum Concentration is Associated with High Levels of Hepatitis B Virus (HBV) Replication in Chronically Infected Patients.” Harald Farnik, Jörg Bojunga, Annemarie Berger, Regina Allwinn, Oliver Waidmann, Bernd Kronenberger, Oliver T. Keppler, Stefan Zeuzem, Christoph Sarrazin and Christian M. Lange. Hepatology, published online 2013 May 22. doi: 10.1002/hep.26488.

 
Für weitere Informationen:

Dr. Christian Lange
Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinischen Klinik I
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 87838
Fax (0 69) 63 01 – 87676
E-Mail Christian.Lange@kgu.de

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Frankfurt
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