HIFU-Therapie bei Lebertumoren

An un­se­rem In­sti­tut steht ei­nes der ers­ten HI­FU-Ge­rä­te Deutsch­lands, mit dem Ul­tra­schall-ge­steu­ert nicht nur ei­ne Tu­mor­be­hand­lung, son­dern auch ei­ne Bild­ge­bung mög­lich ist. Der Ein­satz des hoch-fo­kus­sier­ten Ul­tra­schalls (HI­FU) bei ei­ner Viel­zahl von Er­kran­kun­gen wur­de in den letz­ten Jah­ren ver­mehrt the­ma­ti­siert und er­ziel­te bei der Be­hand­lung von gut- und bös­ar­ti­gen Tu­mor­er­kran­kun­gen gu­te Er­geb­nis­se.

Was ist HIFU?

High-In­ten­si­ty Fo­cu­sed Ul­ta­sound ist die eng­li­sche Be­zeich­nung für die Be­hand­lungs­me­tho­de, ab­ge­kürzt mit HI­FU. Ul­tra­schall be­zeich­net hoch­fre­quen­te Schwin­gun­gen, die ober­halb der mensch­li­chen Hör­schwel­le lie­gen (>16k­Hz).
Für dia­gnos­ti­sche Zwe­cke wird der Ul­tra­schall schon jahr­zehn­te­lang ein­ge­setzt. Beim HI­FU wer­den je­doch im Ge­gen­satz zum dia­gnos­ti­schen Ul­tra­schall we­sent­lich hö­he­re En­er­gi­en er­zeugt. Dies funk­tio­niert durch die Bünde­lung der Ul­tra­schall­wel­len durch spe­zi­el­le Wand­ler, die die Strah­len auf ein we­ni­ge Mil­li­me­ter mes­sen­des Ge­biet fo­kus­sie­ren (der glei­che Ef­fekt wie bei ei­ner Son­nen­strah­len bündeln­den Lu­pe). Die the­ra­peu­ti­sche Wir­kung des Ul­tra­schalls wird über die ent­ste­hen­den Tem­pe­ra­tu­ren im Ziel­ge­biet von bis zu 80° Grad ver­mit­telt, wel­che Tu­mor­zel­len ef­fek­tiv ab­tö­tet (,,Tu­mo­r­ab­la­ti­on''). HI­FU ist für die me­di­zi­ni­sche An­wen­dung beim Men­schen zu­ge­las­sen (eu­ro­päi­sche
CE- und ame­ri­ka­ni­sche FDA- Zer­ti­fi­zie­rung). Die Wirk­sam­keit und die Si­cher­heit des Ver­fah­rens wur­de be­reits in vie­len Stu­di­en be­legt. Es han­delt sich je­doch vor al­lem in Eu­ro­pa um ein neu­es, noch do­siert ver­wen­de­tes Ver­fah­ren, so­dass wei­te­re Stu­di­en not­wen­dig sind, um das voll­stän­di­ge Ein­satz­spek­trum auf­zu­zei­gen.

Wann kann die HI­FU-The­ra­pie bei Le­ber­tu­mo­ren an­ge­wandt wer­den?

Bei der ak­tu­el­len Be­hand­lung von Le­ber­tu­mo­ren gel­ten die chir­ur­gi­sche Ope­ra­ti­on, Be­strah­lung und Che­mo­the­ra­pie als Stan­dard­ver­fah­ren.
Wenn der Tu­mor vor der Ope­ra­ti­on ver­klei­nert wer­den soll oder ei­ne chir­ur­gi­sche Tu­mo­rent­fer­nung nicht mög­lich ist, kön­nen in aus­ge­wähl­ten Fäl­len scho­nen­de mi­ni­mal-in­va­si­ve Ver­fah­ren, so­ge­nann­te lo­kal-ab­la­ti­ve Ver­fah­ren, an­ge­wandt wer­den. Die chir­ur­gi­sche Be­hand­lung, ein­schließ­lich der Le­ber­trans­plan­ta­ti­on, bie­tet beim he­pa­to­cel­lu­lä­ren Kar­zi­nom (HCC), dem häu­figs­ten le­ber­ei­ge­nen Tu­mor, ei­nen ku­ra­ti­ven An­satz (d.h. ein Ein­griff in hei­len­der Ab­sicht). Die­ser ope­ra­ti­ve Ein­griff ist aber oft­mals auf­grund der Tu­mor­ei­gen­schaf­ten wie Grö­ße, An­zahl
und La­ge der Tu­mo­ren, bzw. bei fort­ge­schrit­te­nen Krank­heits­sta­di­en nicht mög­lich. Die HI­FU-The­ra­pie stellt nun ei­ne in­no­va­ti­ve, nicht-in­va­si­ve Be­hand­lungs­form dar, die als Al­ter­na­ti­ve oder als Er­gän­zung zur Be­hand­lung von HCCs und Le­ber­me­ta­sta­sen an­ge­wandt wer­den kann.

Vor­tei­le der HI­FU-Be­hand­lung

HI­FU ist nicht-in­va­siv und da­durch mit ei­ner re­la­tiv ge­rin­gen Auf­tre­tens­ra­te von Ne­ben­wir­kun­gen ver­bun­den, im Ge­gen­satz zu ope­ra­ti­ven Me­tho­den oder an­de­ren lo­kal-ab­la­ti­ven Ver­fah­ren. Dies be­ruht dar­auf, dass für die HI­FU-Be­hand­lung kein Schnitt not­wen­dig ist und auch kei­ne In­stru­men­te in den Kör­per ein­ge­bracht wer­den müssen. Das um­ge­ben­de Ge­we­be wird durch HI­FU nach ak­tu­el­len Kennt­nis­sen bes­ser ge­schont als bei ei­ner Ope­ra­ti­on. Eben­so ist die HI­FU-Be­hand­lung zur Tu­mor­grö­ßen­re­duk­ti­on ge­eig­net in pal­lia­ti­ver Ab­sicht (zur Ver­bes­se­rung der Le­bens­qua­li­tät), vor al­lem bei lo­kal fort­ge­schrit­te­nen Tu­mo­ren, die nur un­ter größ­tem Ri­si­ko ope­riert wer­den kön­nen. Im Ver­gleich zu ei­ner Che­mo­the­ra­pie bie­tet die HI­FU-Be­hand­lung den Vor­teil, in ei­ner Ein­zel­sit­zung durch­führ­bar zu sein. Zu­dem kann HI­FU bei ei­nem Rest­be­fall
oder ei­nem wie­der­keh­ren­den Tu­mor­be­fall be­lie­big oft wie­der­holt wer­den. Wir er­war­ten ins­ge­samt ei­ne min­des­tens äqui­va­len­te Tu­mo­r­ab­la­ti­on mit HI­FU (im Ver­gleich zu an­de­ren lo­kal-ab­la­ti­ven Ver­fah­ren), bei er­wei­ter­tem In­di­ka­ti­ons­spek­trum und eher ge­rin­ge­rer Ne­ben­wir­kungs­ra­te.

Bei wel­chen Pa­ti­en­ten kommt ei­ne HI­FU-The­ra­piein Be­tracht?

Die Durch­führ­bar­keit ei­ner HI­FU-Be­hand­lung muss für je­den Pa­ti­ent in­di­vi­du­ell ge­klärt wer­den.
Als ge­ne­rel­le In­di­ka­tio­nen kön­nen gel­ten:

  • ge­si­cher­tes in­ope­ra­bles HCC / ge­si­cher­te in­ope­ra­ble Le­ber­me­ta­sta­se(n)
  • Tu­mor ist mit­tels Ul­tra­schall dar­stell­bar
  • Tu­mor­grö­ße bis zu et­wa 5 cm, ggf. in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner zu­vor durch­ge­führ­ten trans­ar­te­ri­el­len Em­bo­li­sa­ti­on
  • meh­re­re (max. 4) Tu­mor­kno­ten, Ge­samt­grö­ße max. 10 cm
  • Pri­mär­tu­mor soll­te be­han­delt sein (OP, Che­mo­the­ra­pie)
  • er­war­te­te Über­le­bens­zeit von mehr als 3 Mo­na­ten
  • gu­ter All­ge­mein­zu­stand des Pa­ti­en­ten
  • der Pa­ti­ent muss nar­ko­se­fä­hig sein

Bei wel­chen Pa­ti­en­ten kommt ei­ne HI­FU-The­ra­pie nicht in Be­tracht?

  • Tu­mor be­tei­ligt mehr als 50% der Le­ber
  • dif­fu­ses Tu­mor­lei­den
  • mehr als 4 Me­ta­sta­sen­re­gio­nen
  • Fern­me­ta­sta­sen
  • schwer ein­ge­schränk­te Le­ber­funk­ti­on
  • schlech­ter All­ge­mein­zu­stand des Pa­ti­en­ten
  • schlech­te Blut­ge­rin­nung
  • Ent­zündung der Le­ber oder der Gal­len­gän­ge

Was ist vor der Be­hand­lung mit HI­FU zu be­ach­ten?

Vor­be­rei­tungs­maß­nah­men sind für ei­ne er­folg­rei­che Be­hand­lung un­ver­zicht­bar. Es ist wich­tig, dass am Vor­tag ei­ne Darm­vor­be­rei­tung er­folgt, um z.B. Darm­luft zu re­du­zie­ren. Hier­für er­hal­ten Sie ein Ab­führ­mit­tel und drei Li­ter Flüssig­keit. Das Ab­führ­mit­tel müssen Sie am Vor­tag ge­gen 14 Uhr ein­neh­men und da­zu ei­nen Li­ter ab­führen­de Flüssig­keit in­ner­halb ei­ner Stun­de trin­ken. Den zwei­ten und den drit