Dysplasiesprechstunde

Die Dysplasiesprechstunde ist eine Spezialsprechstunde für Frauen mit Erkrankungen der Zervix (Gebärmutterhalses), der Portio (Muttermund), Vagina (Scheide) und Vulva
(Schamlippen). Dabei kann es sich um entzündliche Veränderungen, Infektionen (z.B. Condylome, sog Feigwarzen) oder aber auch um dysplastische Veränderungen handeln.
 

Was sind Dysplasien?

Als Dysplasie bezeichnet man Zellveränderungen, die sich von normalen Zellen in der Kernform, Kern- Plasmarelation und Chromatinanfärbung unterscheiden. Es gibt verschiedene Stadien der Dysplasien (auch intraepitheliale Neoplasien genannt). Sie können sich an Gebärmutterhals (CIN), Scheide (VAIN) oder Vulva (VIN) bilden. Aus den Dysplasien des Gebärmutterhalses kann sich ein Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarcinom)  nach einer langen Phase ohne Symptome oder offensichtliche Nachweisbarkeit entwickeln. Bei den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen, bei denen u.a ein Zellabstrich von der Portiooberfläche entnommen wird, gilt es diese Vorstufen zu erkennen und sie einer Behandlung zugängig zu machen. Die Diagnose kann zytologisch erfolgen, in dem die Zellen zytologisch beurteilt und in Deutschland nach der Münchner Nomenklatur II eingeteilt werden. PAP ist die Abkürzung für den Namen Papanicolaou, einen Arzt, der diese Form der diagnostischen Maßnahme entwickelt hat. Ein auffälliges PAP-Ergebnis wird in der Dysplasiesprechstunde entweder kontrolliert, unter dem Mikroskop (Kolposkop) lokalisiert und mit einer kleinen Probeentnahme die Zellveränderung gesichert oder bestätigt (s.u.).

Veränderungen an Scheide und Vulva sind nicht so gut mit dem PAP-Test zu kontrollieren (Aussagekraft eingeschränkt), so dass hier eher Probeentnahmen unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden.
 

Übersicht PAP-Nomenklatur

PAP I
gutartig, keine entzündlichen oder reparativen Veränderungen

PAPII
gutartig, Zervizitis (Entzündung des Gebärmutterhalses), Metaplasie (gutartige Umwandlung der Zellen)

PAPIIk oder PAP IIw
unklarer Befund, Kontrollabstrich erforderlich

PAP III
unklarer Befund, Abklärung erforderlich

PAP IIID
Verdacht auf eine leichte bis mittelschwere Dysplasie (CIN I bis II)

PAP IVa
Verdacht auf eine schwere Dysplasie (CIN III) oder Carcinoma in situ (CIS)

PAP V
Verdacht auf ein invasives Karzinom

Leichte und mittelschwere dysplastische Veränderungen (PAP IIID) können sich in einem hohen Prozentsatz spontan innerhalb ein bis zwei Jahre zurückbilden, wenn sie dagegen länger bestehen bleiben oder eine schwere Dysplasie besteht, so ist eine adäquate Therapie erforderlich.

An der Unifrauenklinik Frankfurt beurteilen wir  die zytologischen Präparate selbst und diskutieren sie bei schwierigen Fragestellungen zusammen mit dem Zytologen aus. Als weitere zytologische Diagnostik wird manchmal neben der konventionellen Abstrichentnahme auch die Thin-Prep-Technik (Dünnschichtzytologie) angewendet.
 

Wie kommt es zu einer Dysplasie?

Für die Entstehung einer Dysplasie und somit auch die Entwicklung eines Zervixkarzinomes gilt die Infektion mit humanen Papillomavirus (HPV) als gesichert. Es müssen jedoch noch weitere Kofaktoren bzw. Risikofaktoren hinzukommen, die eine Virusvermehrung begünstigen, dazu zählen u.a.:
 

  • andere genitale Infektionen wie z.B. Herpes simplex Typ 2 oder Chlamydieninfektion
  • Zigarettenrauchen
  • Hohe Promiskuität ( häufig wechselnde Sexualpartner )
  • Immunsuppression, z.B. nach Transplantationen oder bei HIV-Infektion

Was ist HPV?

Bei den humanen Papilloma Viren (HPV) handelt es sich um eine kleine Gruppe von DNA-Viren, von denen inzwischen mehr als 80 verschiedene Typen identifiziert worden sind. Sie verursachen Warzen und Krebsvorstufen bis hin zu Krebs. Von diesen HPV-Typen infizieren mindestens 30 Typen ausschließlich Haut und Schleimhaut des Anogenitaltraktes. Andere Typen finden sich bei Infektionen der Hände, Füße oder des Gesichts.
Aufgrund ihres Entartungspotentials werden diese Typen in zwei Gruppen eingeteilt: low-risk Gruppe (z.B. Typ 6,11,42,43,44) mit geringem Entartungspotential, diese sind z.B. in genitalen Warzen (Condyloma acuminata) zu finden. Dagegen sind HPV-Typen der high-risk bzw. intermediär-risk Gruppe (z.B. Typ 16,18,31,33,35,39,45, 51,52,56,58,59,68) und von diesen überwiegend der Typ 16 und 18 in Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses (Dysplasien) und dem Zervixkarzinom nachweisbar.

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