Funktionserhaltende Laserchirurgie

Die Verwendung der Lasertechnologie in der Medizin stellt einen wesentlichen  Entwicklungsfortschritt in der Patientenbehandlung dar. Inzwischen werden Laser sowohl in der Diagnostik als auch der Therapie von Krankheiten mit großem Erfolg eingesetzt. Gerade in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde kommen Laser häufig zum Einsatz. Nachfolgend wollen wir Ihnen hierzu einige Informationen geben:

  1. Welche Erkrankungen können mit einem Laser behandelt werden?

    Eine Vielzahl von Krankheitsbildern des Kopf- und Halsbereiches profitiert von den Behandlungsmöglichkeiten der modernen Lasertechnologie. Hierzu zählen insbesondere die

     

    • stimmerhaltende Entfernung von Kehlkopftumoren

    • Mandelkappung (Tonsillotomie)

    • Verkleinerung der Nasenmuscheln bei behinderter Nasenatmung (Laserconchotomie)

    • Gaumenstraffung bei Schnarchen

    • Operationen an den Gehörknöchelchen (z.B. Steigbügelplastik)

    • Verödung von Blutgefäßen (Blutschwamm, Osler-Krankheit)

    • Endoskopische Wiederherstellung des Schluckvermögens beim Zenkerdivertikel

    • Plastisch-ästhetische Behandlung der Kopf- und Gesichtshaut, z.B. bei Besenreisern oder Altersflecken.

  2. Was ist ein Laser und wie funktioniert er?

    LASER ist eine englischsprachige Abkürzung für "Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung". Hiermit wird ein physikalischer Effekt bezeichnet, mit dem künstlich gerichtete Lichtstrahlen erzeugt werden können. Von einem Laser erzeugte Lichtstrahlen haben alle die gleiche Farbe, die gleiche Schwingung  und die gleiche Ausbreitungsrichtung, wodurch sie sich erheblich von natürlichem Licht oder dem Licht einer Glühbirne unterscheiden. Aufgrund dieser Eigenschaften haben Laserstrahlen eine hohe Energie, mit der biologisches Gewebe untersucht oder bearbeitet werden kann.
     

  3. Wofür werden Laser in der Medizin eingesetzt?

    Seit Beginn der 1970er Jahre werden Laser in der Medizin eingesetzt. Die Hauptanwendung besteht im Schneiden von Gewebe. Hierbei wird die Energie des Lasers auf eine so kleine Stelle gebündelt, dass das Gewebe verdampft. Dieser Effekt wird zum Beispiel bei der Tumorchirurgie genutzt. Bei etwas niedrigerer Energie können gezielt Bereiche menschlichen Körper erhitzt werden. Diesen Effekt nutzt man zum Beispiel zur Schrumpfung der Nasenmuscheln bei Nasenatmungsbehinderung.

     

    Zunehmend werden Laser auch verwendet, um Bilder aus dem Inneren des Körpers zu erzeugen: Mithilfe der sogenannten Konfokalen Laser-Scanning-Mikroskopie und der Optischen Kohärenztomographie können Schnittbilder von Haut und Schleimhäuten erzeugt werden, die Details bis zu einem tausendstel Millimeter sichtbar machen. Mit den oben genannten Verfahren werden zum Beispiel tumoröse Veränderungen von Kehlkopf und Rachen untersucht.

     

    Die HNO-Klinik der Goethe-Universität Frankfurt am Main befasst sich wissenschaftlich und klinisch seit Jahren mit dem Einsatz der Lasertechnologie in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Wir verfügen über besondere Expertise im Bereich der teilautomatisierten Laserchirurgie sowie der hochauflösenden optischen Bildgebung am lebenden Organismus.
     

  4. Wo liegen die Vorteile der Laserchirurgie?

    Laser sind extrem präzise Operationsinstrumente. Je nach Anwendung werden Laserstrahlen über Glasfasern in den Körper eingebracht oder über Joysticks unter mikroskopischer Kontrolle gesteuert. Hierdurch kann man an Stellen des menschlichen Körpers operieren, die man mit Schere und Skalpell nicht erreichen könnte: Laser werden beispielsweise routinemäßig für die Entfernung von Tumoren in Mundhöhle, Kehlkopf und Rachen eingesetzt. Hierbei kann man auf Schnitte von außen sowie die Öffnung des Kehlkopfgerüstes verzichten. Durch die Hitze des Laserstrahls werden beim Schneiden gleichzeitig kleine Blutgefäße verschweißt, so dass das Gewebe beim Laserschneiden weniger blutet als bei der Verwendung eines Skalpells oder einer Schere.

     

    Im Bereich der Ohrchirurgie verwenden wir Laser, um winzige Löcher in die Mittelohrknöchelchen zu bohren, die anschließend als Führung für Steigbügelprothesen dienen. Dieses Vorgehen, welches bei dem Krankheitsbild der Otosklerose gewählt wird, ist für das Innenohr schonender als die Eröffnung des Innenohres mit einem Bohrer.

     

    Ein weiteres Haupteinsatzgebiet von Lasern sind Operationen im Inneren der Nasenhaupthöhle. Bei Nasenatmungsbehinderung durch vergrößerte Nasenmuscheln oder chronische Entzündungen (Polyposis nasi) können mithilfe des Lasers die Nasenmuscheln schonend verkleinert und Polypen geschrumpft werden. Im Gegensatz zur konventionellen Operation der Nase und Nasennebenhöhlen kann bei laserchirurgischen Vorgehen oftmals nach dem Eingriff auf eine Tamponade zur Blutstillung verzichtet werden.
     

  5. Welche Laser werden in der HNO-Klinik der Goethe-Universität Frankfurt am Main verwendet?

    In unserer Klinik setzen wir derzeit vier verschiedene Lasersysteme ein:

     

    • Der CO2-Laser wird zur Tumorentfernung der oberen Luft- und Speisewege eingesetzt. Sein Licht ist für das menschliche Auge unsichtbar, da es im infraroten Wellenlängenbereich liegt. Dieses System ist sehr robust und für mehrstündige Operationen geeignet. Der Laserstrahl wird in ein Operationsmikroskop eingekoppelt und mit einem Joystick geführt.

    • Der Er:YAG-Laser arbeitet ebenfalls im Infrarot und ist ein sogenannter "kalter" Laser. Dies bedeutet, dass das Gewebe rund um die Stelle des Laserbeschusses nicht erhitzt wird. Hierdurch kann mit dem Laser auch sehr nah an empfindlichen Strukturen operiert werden. Daher setzen wir diese Laser bei der Mikrochirurgie des Mittelohres ein.

    • Der Nd:YAG-Laser erzeugt ein langweiliges Licht, welches gut von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, absorbiert wird. Dies bedeutet, daß Blutgefäße vom Licht des Nd:YAG-Lasers stärker erhitzt werden als das umliegende Gewebe. Damit können krankhafte Veränderung der Blutgefäße (Osler-Knötchen, oberflächliche Gefäßerweiterungen wie Teleangiektasien und Besenreiser sowie Blutschwämme = Hämangiome) gezielt behandelt werden.

    • Der KTP-Laser ist eine Weiterentwicklung des Nd:YAG-Lasers: seine Wellenlänge liegt mit 532 nm im sichtbaren Bereich, d.h. für das menschliche Auge leuchtet der Laser hellgrün. Licht dieser Wellenlänge wird besonders gut sowohl von Hämoglobin als auch von Melanin (dem braunen Hautpigment) aufgenommen. Dadurch ist der Leser für die Behandlung oberflächlicher Gefäßveränderungen bei Kehlkopfwucherungen und aber auch bei Altersflecken und Pigmentstörungen im Gesicht geeignet.

     

    Der Einsatz medizinischer Lasersysteme erfordert Erfahrung und eine fundierte Kenntnis der physikalischen und strahlenbiologischen Grundlagen. Unsere Klinik verfügt über eine jahrelange Expertise im Umgang mit diesen Instrumenten.
     

  6. Kann die bei mir geplante Operation mit einem Laser durchgeführt werden?

    Laser sind wertvolle Hilfsmittel für den Operateur, die in vielen Fällen minimalinvasive und schonende Eingriffe ermöglichen, die auf konventionellem Weg mit Skalpell und Schere nicht machbar wären. Medizinische Lasersysteme sind jedoch auch kein Allheilmittel; je nach Lage oder Ausdehnung einer Erkrankung ist das konventionell-chirurgische Vorgehen vorzuziehen, um zum Beispiel die erforderliche Radikalität einer Tumorentfernung zu erreichen oder die Operationszeit und damit die Narkosebelastung für den Körper zu minimieren.

     

    Es muss im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden, ob der Einsatz eines Lasers Sinn macht oder nicht. Im persönlichen Gespräch beraten wir Sie gerne ausführlich und individuell, inwieweit Sie von einem laserchirurgischen Eingriff profitieren können.