Welche Komplikationen können bei einer Schilddrüsenoperation auftreten?

Bei einer Schilddrüsenoperation gibt es neben den allgemeinen Risiken jeder Operation im wesentlichen zwei mögliche organspezifische Komplikationen, die sich aus der speziellen Lage der Schilddrüse zu den umgebenden Strukturen des Halses ergeben. Zum einen betrifft dies den Stimmbandnerv, welcher für unsere Stimmbildung und die Beweglichkeit der Stimmbänder verantwortlich ist.

Dieser Stimmbandnerv, auch "Nervus laryngeus recurrens" genannt, verläuft hinter der Schilddrüse beidseits entlang der Luftröhre und zieht dann in den Kehlkopf hinein. Würde es während einer Schilddrüsenoperation zu einer Verletzung dieses Nervs kommen, dann kann es, meist nur vorübergehend, zu einer heiseren Stimme kommen. Eine rechtzeitige Stimmtherapie (Logopädie) kann hierbei die Stimmqualität jedoch nicht nur verbessern sondern sogar wieder völlig herstellen. Im Extremfalle wäre bei einer beidseitigen Schädigung der Verlust der Stimme mit vielfältigen Komplikationen möglich.
Damit dieses Risiko so klein wie möglich gehalten wird, verwenden wir bei allen Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperationen ein "intraoperatives Neuromonitoring" des Stimmbandnervs. Durch Verwendung dieses Nervenstimulationsgerätes haben wir die Möglichkeit, den Stimmbandnerv während des Eingriffs ständig zu identifizieren, um dadurch das Risiko einer Verletzung neben der operativ angewandten Sorgfalt weiter zu reduzieren.

Zum Anderen ist bei einer Schilddrüsenoperation eine Verletzung oder Entfernung der Nebenschilddrüsen, auch "Epithelkörperchen" genannt möglich.
Dies sind vier kleine hormonproduzierende Drüsen hinter jeder der beiden Schilddrüsenlappen, die als Glandulae parathyroideae bezeichnet werden, die unter anderem für den Calciumhaushalt im Blut mitverantwortlich sind. Über ein Hormon, das sog. "Parathormon", wird das Calcium im Blut erhöht. Werden eine oder mehrere Nebenschilddrüsen durch den operativen Eingriff in ihrer Durchblutung gestört oder entfernt, ist es möglich, dass der Calcium-Wert im Blut abfällt (Hypocalcämie) und Sie unter anderem ein Kribbeln in beiden Händen spüren oder Muskelkrämpfe bekommen.
Damit sich der Calciumspiegel wieder normalisiert, nehmen Sie dann, meist vorübergehend, Tabletten ein, die den Calciumhaushalt wieder ausgleichen.

Beide möglichen Komplikationen, sowohl die Stimmbandschädigung als auch die Hypocalcämie treten insgesamt sehr selten auf.