Was tun im Notfall?

Unter "Gefäßnotfall" kann man verschiedenes verstehen - entweder ist ein Blutgefäß beschädigt und es kommt zu einer Blutung, oder es ist verschlossen und das Zielorgan kann entweder nicht mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden, oder auch das Blut nicht zurück zum Herzen transportiert werden. Oder es kommt zu einem Einreißen von Gefäßen, z.b. bei Aneurysmen.  

Unter "Gefäßnotfall" kann verstanden werden:

  • Das rupturierte arterielle Aneurysma

  • Die akute Dissektion einer Arterie, insbesondere der Aorta

  • der akute arterielle Verschluss

  • akute Gefäßverletzungen großer Arterien und Venen durch ein Trauma oder im Rahmen einer operativen Komplikation

  • ausgedehnte akute zentrale Thrombosen der Hohlvene oder 4-Etagen Thrombose der Extremität

 

Der akute arterielle Verschluss

Akuter arterieller Verschluss

Sollte es zu einem Gefäßverschluss gekommen sein spricht man von einer "kalten Extremität". Hier ist ex besonders wichtig, schnellstmöglich die Durchblutung des Zielorgans, meistens einer Extremität, wieder herzustellen, um eine dauerhafte Schädigung des Gewebes zu verhindern.

Bei einem akuten arteriellen Verschluss einer Extremität besteht oft ein Symptomkomplex, der in der sogenannten 6-P-Regel nach Pratt zusammengefasst ist:

  • Pain (Schmerz)
  • Paleness (Blässe)
  • Pulselessness (Pulslosigkeit)
  • Paralysis (Bewegungsstörung)
  • Paresthesia (Sensibilitätsstörung)
  • Prostration (Schockzustand)

Allerdings müssen nicht alle diese Symptome ausgeprägt sein. Ursache des akuten arteriellen Verschlusses ist meist eine Arterielle Embolie (ca. 80%), die oftmals aufgrund von Blutgerinnseln, die sich im Herzen in Folge von Herzrhytmusstörungen (meist Vorhofflimmern) oder anderen Herzerkrankungen bilden und periphere Arterien verstopfen, nachdem sie sich im Herzen gelöst haben. Solche Thromben können außerdem von vorangeschalteten arteriellen Aneurysmen (der Aorta im Brust- oder Bauchraum oder der Arteria poplitea im Knie) stammen Die am häufigsten betroffene Gefäßregion für arterielle Embolien sind die Arterien der unteren Extremität (ca. 50%) und der Armarterien (ca. 20%).

Ca. 20% der akuten arteriellen Verschlüsse entstehen in Form einer arteriellen Thrombose. Im Unterschied zur arteriellen Embolie entsteht das Blutgerinnsel, das das Gefäß verstopft, hier lokal am Ort des Verschlusses. Ursache hierfür sind Plaqueruptur bei arteriosklerotischen Gefäßstenosen im Rahmen einer chronischen arteriellen Verschlusskrankheit, traumatische Gefäßwandschäden (z.b. nach Punktionen im Krankenhaus, als Komplikation) und andere seltene Ätiologien wie hormonelle Kontrazeption, Polyglobulie, Thrombozytose, sekundär nach venöser 4-Etagenthrombose oder auch als Sonderfall der Verschluss durch einen Teil der Gefäßwand, der sich vor das Lumen legt nach einer arteriellen Dissektion.

 

Therapie

Es stehen verschiedenste Möglichkeiten der Wiederherstellung des Blutflusses (Revaskularisation) zur Verfügung. Meist wird das Blugerinnsel über einen speziellen Katheter (Fogarty-Katheter) geborgen. ggf. sind begleitende Verfahren wie Thrombendarteriektomie oder Bypassverfahren erforderlich. Ggf. können auch kathetergestützte Lyseverfahren  (medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels, z.b. durch Urokinase) oder systemische Lyseverfahren angewendet werden, sowie spezielle kathetergestütze Embolektomieverfahren (Aspirationsthrobektomie, "Aufsaugen" des Gerinnsels). Die richtige Therapie wird ihr erfahrender Arzt festlegen. Es gilt:

Bei akutem Verschluss einer Arterie ist eine sofortige Therapie durchzuführen, da der Behandlungserfolg direkt von der vorliegenden Dauer der fehlenden Blutversorung (Ischämie) abhängt.