Herzklappenerkrankungen

Die Herzklappen und ihre Funktion
 
Das Pumporgan Herz ist ein Hohlmuskel, dessen Kontraktionen - also das Zusammenziehen - wir als Herzschlag wahrnehmen. Die Herzklappen wirken hierbei als Ventil um das Blut in die "richtige" Richtung zu treiben.
Das menschliche Herz verfügt über zwei Vorhöfe und zwei Herzkammern. Die Herzklappen liegen wie auf der folgenden Abbildung zu sehen entweder zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern (Mitral- und Trikuspidalklappe) oder zwischen den Herzkammern und der Lungenarterie (Pulmonalklappe) bzw. Hauptschlagader (Aortenklappe).

Erkrankungen und Funktionsstörungen

Klappenverengung: Klappen können durch verschiedene Erkrankungen zu eng werden ("Klappenstenose"). Dies geschiet zumeist durch Verkalkungen, die dazu führen, dass die Klappen sich nicht mehr richtig öffnen können und hierduch dem Blutstrom einen zu hohen Widerstand leisten. Folglich muss das Herz stärker Pumpen und einen höheren Druck zu erzeugen um die gleich Blutmenge durch die kleine Öffnung zu treiben.

Klappenundichtigkeit: Durch verschiedene Mechanismen können Klappen undicht und damit "insuffizient" werden. Die Folge ist eine Volumensbelastung der Herzkammern, das heißt, die Herzkammern müssen jeweils das für die Versorgung des Körpers notwendige Blutvolumen und das Leckvolumen pumpen.

Kombinierte Vitien: Es gibt alle Varianten der Kombination von Stenose und Insuffizienz.

Ursachen von Herzklappenerkrankungen

Klappenerkrankungen können verschiedene Ursachen haben, die oftmals auch in Kombination vorliegen.

Angeborene Herzklappenfehler:
Der häufigste angeborene Herzklappenfehler ist die sogenannte bicuspide Aortenklappe (bei 2% der Bevölkerung). Hier besteht die Klappe nicht aus drei, sondern nur aus zwei Taschen. Die mechanische Belastung ist dadurch deutlich höher.
Die häufigste Manifestiation ist beim Kleinkind die Stenose, beim jungen Erwachsenen die Undichtigkeit und im höheren Alter die verkalkte Klappenstenose.
Angeborene Störungen der Mitralklappe sind seltener, am häufigsten ist hier der Spalt im vorderen Mitralsegel (Cleft) als Teil einer unterschiedlich ausgebildeten komplexen Missbildung - dem sogenannten partiellen oder kompletten AV-Kanal.
Seltener bestehen Pulmonalklappenstenosen, die zurzeit meist durch Ballondehnung behandelt werden.

Degenerative Klappenerkrankungen:
Diese Form der Gewebsschwäche ist am häufigsten bei der Mitralklappe und führt zur Undichtigkeit. Eine mögliche Ursache ist eine arterielle Hochdruckerkrankung. Da der Rest der Segelstruktur noch normal erhalten ist, sind diese Erkrankungen meist rekonstruierbar.
Gewebsschwächen an der Aortenklappe treten seltener auf.

Degenerative verkalkte Klappenerkrankungen:
Diese Form der Klappenerkrankung führt meist zur Verengung und tritt am häufigsten an der Aortenklappe bei älteren Patienten auf, seltener an der Mitralklappe.
Risikofaktoren sind eine allgemeine Arteriosklerose, Bluthochdruck und Klappenvorschädigungen, z.B. die bicuspide Klappe oder eine abgelaufene Endokarditis. Hier ist immer ein Klappenersatz notwendig.

Klappenentzündungen (Endokarditis):
Die meist durch Bakterien hervorgerufenen Entzündungen können einen sehr unterschiedlichen klinischen Schweregrad erreichen: zum Teil werden sie während eines Krankheitsverlaufes - ähnlich einem grippalen Infekt - nicht weiter auffällig, im Extremfall können sie aber zur schwersten Klappenzerstörung mit septischem Krankheitsbild führen.
Die Folgen sind neben der schweren infektiösen Erkrankung die Klappendestruktion mit Undichtigkeit sowie die Bildung von "Vegetationen", das ist ein Gemisch aus Bakterienrasen und Blutgerinnseln. Letztere können durch Verschleppung ("Embolie") zu Gefäßverschlüssen führen, am häufigsten sind die klinischen Symptome des Schlaganfalls.
Bei dieser Erkrankung ist die betroffene Klappe unter günstigen Voraussetzungen rekonstruierbar, ansonsten muss sie ersetzt werden.

Rheumatische Klappenerkrankungen:
Durch die Anwendung von Antibiotika sieht man diese Erkrankung meist nur bei Patienten aus weniger entwickelten Ländern.
Durch einen bakteriellen Infekt ausgelöst, kommt es zu einer Entzündung der Klappensegel, die eine chronische Veränderung mit Schrumpfung und Verdickung der Klappen nach sich zieht. Auch hier ist meist ein Klappenersatz notwendig.

Sekundäre Klappenveränderungen:
So nennt man Klappenveränderungen, die aufgrund anderer Klappenerkrankungen auftreten. Bedingt sind diese häufig durch eine Dehnung des Klappenringes über die Deckfläche der Schließkörper hinaus, z.B. bei einer Vergrößerung der Herzkammer mit nachfolgender Undichtigkeit der Mitralklappe, was bei Herzmuskelerkrankungen ("Kardiomyopathie") oder nach Herzinfarkten auftreten kann.
Selten zu beobachten ist eine Erweiterung der Körperschlagader ("Aneurysma"), begleitet von einer Insuffizienz (= Undichtigkeit) der Aortenklappe.
Die Tricuspidalklappe wird durch eine Erhöhung des Lungenschlagaderdruckes entweder durch eine Erkrankung der Lungen oder einen Mitralklappenfehler aufgelöst.

Behandlungsmöglichkeiten von Herzklappenerkrankungen

Katheterdehnung:
Die Dehnung von verengten Klappen ist relativ häufig bei verengter Pulmonalklappe, in speziellen Fällen auch bei verengter Mitralklappe möglich.

Rekonstruktion:
Herzklappen, deren Struktur weitgehend erhalten ist, können meist rekonstruiert werden. Die größte Erfahrung gibt es im Bereich der Mitralklappe.
Auch Aortenklappen, insbesondere wenn es zu einer Erweiterung durch ein Aortenaneurysma gekommen ist, sind in ihrer Funktion wiederherstellbar.

Klappenersatz:
Der Ersatz mit prothetischen oder anderen biologischen Substituten ist die am häufigsten durchgeführte Herzklappenoperation.

Hauptsächlich unterscheidet man vier Arten von Herzklappenprothesen:
mechanische Klappenprothesen, biologische Klappenprothesen (Bioprothesen), Homografts (korrekt eigentlich "Allografts", aber auch "Klappentransplantate" genannt) sowie pulmonale Autografts (auch unter der Bezeichnung Ross-Operation bekannt).

Mechanische Klappenprothesen