Behandlungsspektrum der Rekonstruktiven Urologie

Plastisch-rekonstruktive Eingriffe sind ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Klinik. Diese reichen von robotisch-assistierten Nierenbeckenplastiken von Patienten mit einer Nierenbeckenabgangsenge bis zur Implantation von künstlichen Schließmuskeln (artifizieller Sphinkter) für Patienten mit einer Harninkontinenz nach radikaler Prostataentfernung (Prostatektomie). Zudem bieten wir das gesamte Spektrum der Behandlung von Harnröhrenstrikturen (Verengungen der Harnröhre), die z.B. als Folge von Unfällen, medizinischen Eingriffen oder Entzündungen entstanden sind. Dabei wenden wir unter anderem endoskopische Verfahren zur Behandlung von kurzstreckigen Harnröhrenstrikturen an. Bei komplexeren Fällen kommen offen-operative Rekonstruktionsverfahren der Harnröhre z.B. mit einem freien Mundschleimhaut-Transplantat oder Meshgraft- (Spalthaut-) Plastik zum Einsatz. Ferner bieten wir unseren Patienten operative Verfahren bei Verletzungen und Engstellen des Harnleiters sowie operative Korrekturen von Penisverkrümmungen (Induratio penis plastica), z.B. mittels SIS-Corporoplastik.

Leiter der Sprechstunde für Rekonstruktive Urologie

Privatdozent Dr. Luis Alex Kluth ist geschäftsführender Oberarzt und Wissenschaftsleiter der Klinik für Urologie unter der Leitung von Prof. Felix Chun. Seine Facharztausbildung (2008-2015) hat er in Hamburg am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) unter der Leitung von Prof. Hartwig Huland und Prof. Margit Fisch absolviert. In dieser Zeit hat er eine fundierte 2 klinische Ausbildung in verschiedenen Häusern, u.a. in der Martiniklinik, dem Prostatakrebs-Zentrum Hamburg, unter der Leitung von Prof. Markus Graefen sowie im Kantonspital Aarau in der Schweiz unter der Leitung von Prof. Franz Recker, genossen.

Eine weitere Station in seiner Ausbildung war ein Forschungsaufenthalt am renommierten Weill Medical College der Cornell University in New York unter der Leitung von Prof. Shahrokh Shariat im Jahre 2012/2013. In dieser Zeit hat er intensiv an statistischen Vorhersagemodellenzum Überleben von Blasen- und Prostatakrebs-Patienten geforscht und die Ergebnisse hochrangig publiziert. In seiner Habilitation (2016) setzte er sich mit geschlechts-spezifischen Unterschieden von Patienten, die an Blasenkrebs erkrankt sind, auseinander.

Sein klinischer Schwerpunkt ist die Plastisch-rekonstruktive Urologie, insbesondere die Harnröhrenchirurgie, deren klinische Ausbildung er bei Prof. Margit Fisch und Privatdozent Dr. Roland Dahlem in Hamburg am UKE erhielt. Im Jahre 2016 hat er zusammen mit Prof. Margit Fisch den weltweit größten Kongress für Rekonstruktive Urologie, dem International Meeting of Reconstructive Urology (IMORU), organisiert und eine Harnröhrenoperation weltweiter Live-Übertragung voroperiert.

Neben der Leitung der Sektion Rekonstruktive Urologie an der Klinik für Urologie im Universitätsklinikum Frankfurt, ist Luis Kluth Leiter von nationalen (GeSRU Academics) und internationalen (YAU der EAU) Forschungsgruppen mit Fokus auf die Rekonstruktive Urologie.

Luis Kluth hat über 135 PUBMED gelistete Publikationen, mehr als 100 von sogenannten Originalarbeiten, davon in über 20 Publikationen in führender Position. Er ist Autor von mehr als 20 Übersichtsartikeln und mehreren Buchkapiteln. Für über 10 internationale Journals ist er gefragter Reviewer und Associate Editor von Frontiers Surgery.

Neben unterschiedlichen Vorlesungen als Gastprofessor (z.B. in Wien und Paris) hat er in seiner wissenschaftlichen Laufbahn diverse Forschungspreise sowie Auszeichnungen erhalten (u.a. das „best abstract“ des Amerikanischen Urologen Kongress AUA in Orlando 2013).

Das Ziel seiner Wissenschaftlichen Tätigkeit konzentriert sich auf die objektivierbare Ergebnisforschung von Harnröhrenoperationen. Neben der Erfolgsrate (nach der Operation keine erneute Striktur zu erleiden) steht hier die Zufriedenheit der Patienten mit der Operation und die Lebensqualität, im Vordergrund.  Hierdurch wird die Beratung und Therapie von Patienten mit einer Harnröhrenstriktur verbessert.

 

Publikationen im Bereich der Rekonstruktiven Urologie

Im Folgenden zeigen wir Ihnen ausgewählte publizierte wissenschaftliche Artikel von Privatdozent Dr. Luis Alex Kluth über die Therapie und die Ergebnisse von Harnröhrenstrikturen und weiteren rekonstruktiven Eingriffen, wie z.B. Nierenbeckenplastik, Implantation künstlicher Schließmuskel. Die Artikel sind nach Themen sortiert und bieten eine Zusammenfassung für die Patienten. Zeitraum: 2013 bis aktuell.

Thematik: Ergebnisse der offenen Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut

Outcome of buccal mucosa graft urethroplasty: a detailed analysis of success, morbidity and quality of life in a contemporary patient cohort at a referral center.

Autoren: A. Soave, L.A. Kluth, R. Dahlem, A. Rohwer, M. Rink, P. Reiss, M. Fisch, O. Engel.

Publiziert im: BMC Urology. 2019 Mar 18;19(1):18.

Zusammenfassung für den Patienten:

Wir konnten in einer Studie von 83 Patienten zeigen, dass die Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut eine hohe Erfolgsquote, niedrige Komplikationsraten, eine hohe Lebensqualität sowie Patientenzufriedenheit, beinhaltet. Nach einem Beobachtungszeitraum von 46 Monaten, zeigten sich 65 von 83 Patienten (78.3%) erfolgreich therapiert.

 

Thematik: Ergebnisse der offenen Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut

Characterization of a Standardized Postoperative Radiographic and Functional Voiding Trial after 1-Stage Bulbar Ventral Onlay Buccal Mucosal Graft Urethroplasty and the Impact on Stricture Recurrence-Free Survival.

Autoren: M.W. Vetterlein, C. Loewe, V. Zumstein, C.M. Rosenbaum, O. Engel, R. Dahlem, M. Fisch, L.A. Kluth.

Publiziert im: Journal of Urology. 2019 Mar;201(3):563-572.

Zusammenfassung für den Patienten:

Wir konnten in einer Beobachtungsstudie von 437 Patienten (Operation zwischen 2009-2016) zeigen, dass die Röntgenuntersuchung 3 Wochen nach einer Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut die Erfolgsrate für die Patienten vorhersagen kann. Patienten mit einer Erlaubnis zur Miktion nach 3 Wochen haben eine Erfolgsrate von 85%. Dies ist die erste Studie weltweit, welche eine detailierte Analyse der Patienten zum Zeitpunkt der Röntgenuntersuchung nach dieser Art von Operation bietet. Die Ergebnisse dienen der verbesserten Patientenberatung.

 

Thematik: Ergebnisse der offenen Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut

The Impact of Surgical Sequence on Stricture Recurrence after Anterior 1-Stage Buccal Mucosal Graft Urethroplasty: Comparative Effectiveness of Initial, Repeat and Secondary Procedures.

Autoren: M.W. Vetterlein, J. Stahlberg, V. Zumstein, O. Engel, R. Dahlem, M. Fisch, C.M. Rosenbaum, L.A. Kluth.

Publiziert im: Journal of Urology. 2018 Dec;200(6):1308-1314.

Zusammenfassung für den Patienten:

Wir konnten in einer großen Beobachtungsstudie von 534 Patienten zeigen, dass Patienten mit einer Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut exzellente Ergebnisse aufweisen, selbst wenn sie zuvor schon eine Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut hatten. Patienten, die eine andere vorherige Harnröhrenoperation hatten (z.B. End-Zu-End Anastomose), hatten ein schlechteres Ergebnis. Diese Ergebnisse beziehen sich auf spezialisierte Zentren.

 

Thematik: Behandlung von Harnleiterstrikturen

Adult iatrogenic ureteral injury and stricture-incidence and treatment strategies.

Autoren: P. Gild, L.A. Kluth, M.W. Vetterlein, O. Engel, F.K.H. Chun, M. Fisch.

Publiziert im: Asian Journal of Urology. 2018 Apr;5(2):101-106. Review/Übersichtsarbeit.

Zusammenfassung für den Patienten:

Diese Übersichtsarbeit analysiert die gegenwärtige Fachliteratur zu operativ verursachten Harnleiterverletzungen, die Rate an Harnleiterstrikturen und die möglichen (operativen) Therapie-Konzepte.

 

Thematik: Diagnostik und Therapie vesikovaginaler und ureterovaginaler Fisteln

Diagnostic and therapeutic concepts for vesicovaginal and ureterovaginal fistulas

Autoren: I.J. Lang, M. Fisch, L.A. Kluth.

Publiziert im: Aktuelle Urologie. 2018 Feb;49(1):e91. Review/Übersichtsartikel.

Zusammenfassung für den Patienten:

Diese Übersichtsarbeit analysiert die gegenwärtige Fachliteratur zu Fistelgängen (Verbindungen) zwischen Blase und Scheide und Harnleiter und Scheide, um gängige diagnostische und therapeutische Konzepte aufzuzeigen. Es bestehen weiterhin starke Unterschiede in der Entstehung von Fisteln und der operativen Versorgung zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Die entwickelten, operativen Verfahren haben unabhängig vom Zugangsweg hohe Erfolgsraten. Das Therapiekonzept sollte abhängig von der Ätiologie (Ursache), Lage und Größe der Fistel und Gewebevoraussetzungen individuell entwickelt werden.

 

Thematik: Harnröhrenstrikturen im Bereich des Eingangs der Harnröhre/Meatus oder Glans

Meatal and glandular urethral strictures.

Autoren: S. Zeller, M.V. Vetterlein, M. Fisch, L.A. Kluth.

Publiziert im: Urologe A. 2018 Jan;57(1):11-16. Review/Übersichtsartikel.

Zusammenfassung für den Patienten:

Diese Übersichtsarbeit analysiert die gegenwärtige Fachliteratur zu Harnröhrenstrikturen von vorderen Harnröhrenstrikturen die auch den Bereich der Eichel, sogenannte distale Harnröhrenstrikturen mit oder ohne Beteiligung der Fossa navicularis und Meatus, die durch Trauma, endoskopische urologische Voroperationen, Infektionen, Hauterkrankungen (z.B. Lichen slerosus) oder ohne bestimmte Ursache (idiopathisch), auftreten.

 

Thematik: Entnahme von Mundschleimhaut bei einer Harnröhrenoperation

Substitution Urethroplasty with Closure Versus Nonclosure of the Buccal Mucosa Graft Harvest Site: A Randomized Controlled Trial with a Detailed Analysis of Oral Pain and Morbidity.

Autoren: A. Soave, R. Dahlem, H.O. Pinnschmidt, M. Rink, J. Langetepe, O. Engel, L.A. Kluth, B. Loechelt, P. Reiss, S.A. Ahyai, M. Fisch.

Publiziert im: European Urology. 2018 Jun;73(6):910-922.

Zusammenfassung für den Patienten:

Wir haben das mögliche Auftreten von Schmerzen, Erkrankungen und Komplikationen bei Patienten untersucht die eine Harnröhrenoperation mit Entnahme von Mundschleimhaut erhielten und deren Entnahmestelle an der Wangeninnenseite entweder verschlossen oder offen belassen wurde. Es zeigte sich kein Unterschied zwischen den Entnahme-Methoden. Des Weiteren konnten wir zeigen, dass die meisten von den Patienten angegebenen Beschwerden von den Patienten mit der Zeit stark zurückgingen bzw. sistieren. Die Länge des Mundschleimhaut-Transplantates scheint einen Einfluss auf die Beschwerden zu haben. Dies ist die weltweit erste (randomisierte) Studie von 135 Patienten, die eine detaillierte Erfassung von möglichen Schmerzen, Erkrankungen und Komplikationen von Patienten nach einer Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut bietet. Sie wurde hochrangig im European Journal of Urology (Impact Factor 17) im Jahre 2018 publiziert.

 

Thematik: Wiederkehrende Blasenhalsstenosen nach TURP (Resektion der Prostata)

The T-plasty as therapy for recurrent bladder neck stenosis: success rate, functional outcome, and patient satisfaction.

Autoren: C.M. Rosenbaum, R. Dahlem, V. Maurer, L.A. Kluth, M.W. Vetterlein, M. Fisch, V. Schuettfort, C.P. Reiss.

Publiziert im: World Journal of Urology. 2017 Dec;35(12):1907-1911.

Zusammenfassung für den Patienten:

Die wiederkehrende narbige Verengung des Blasenhalses, die sogenannte Blasenhalsstenose oder Blasenhalssklerose, welche nach einer Ausschälung (transurethrale Resektion) der Prostata (TURP) auftreten kann, ist eine schwerwiegende Komplikation. Endoskopische Versuche wie Schlitzungen und Resektion der Blasenhalssklerose führen häufig zu einer erneuten Miktionsverschlechterung. Wir haben 30 Patienten zwischen 2009 und 2016 untersucht, die eine offene sogenannte T-Plastik (offener Baucheingriff mit vollständiger Entfernung der Narbe) erhielten und nach einem Beobachtungszeitraum von 45 Monaten (im Median) eine Erfolgsrate von 100% Rate aufweisen konnten. 88% der Patienten die eine T-Plastik erhielten war zufrieden bzw. sehr zufrieden mit dem Eingriff. 75% der Patienten beschrieben eine starke Verbesserung ihrer Lebensqualität.

 

Thematik: Ergebnisse der Harnröhrenoperation mit Mundschleimhaut nach einem vorangegangenen Eingriff

Redo urethroplasty with buccal mucosa.

Autoren: C.M. Rosenbaum, L. Ernst, O. Engel, R. Dahlem, M. Fisch, L.A. Kluth.

Publiziert im: Urologe A. 2017 Oct;56(10):1274-1281. Review/Übersichtsartikel.

Zusammenfassung für den Patienten:

Harnröhrenstrikturen können aufgrund von Unfällen/Traumata, Infektionen, fremdverschuldend (z.B. durch eine endoskopische Operation) bedingt oder idiopathisch auftreten und können die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinflussen. Die Auftreten (Prävalenz) der männlichen Harnröhrenstriktur in westlichen Industrieländern liegt bei 0,6%. Die bevorzugte Therapieform hat einen Wandel von den weniger invasiven Eingriffen wie der Harnröhrenschlitzung oder Harnröhrendilatation, hin zur offen chirurgischen Rekonstruktion vollzogen. Dabei werden die End-zu-End-Anastomose und die Mundschleimhautplastik am häufigsten angewandt und bieten Erfolgsraten von über 80%. Risikofaktoren für ein Strikturrezidiv nach Harnröhrenrekonstruktion sind die Lage der Striktur im Penisschaft, eine Strikturlänge über 4 cm und wiederholte endoskopische Therapieversuche als Vortherapie. Auch liegt bei radiogen bedingten Harnröhrenstrikturen eine höhere Rezidivrate vor. Im Falle eines kurzstreckigen Rezidives nach Harnröhrenplastik kann eine Schlitzung unter Sicht mit Erfolgsraten von um die 60% durchgeführt werden. Bei längeren oder komplexeren Strikturen sollte jedoch eine erneute Harnröhrenplastik durchgeführt werden. Die Erfolgsaussichten si