Epilepsie-Patienten mit Telemedizin besser versorgen

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst und Hessisches Ministerium für Soziales und Integration bewilligen weitere Mittel für Studie zu den Möglichkeiten der telemedizinischen Beratung bei Epilepsie 

Die Diagnose einer Epilepsie erfordert in vielen Fällen eine spezialisierte, neurologische Expertise. Diese ist in Bundesländern wie Hessen häufig nicht flächendeckend verfügbar. Das Epilepsiezentrum an der Universitätsklinik Frankfurt will deshalb die Möglichkeiten der telemedizinischen Beratung von Krankenhäusern und neurologischen Praxen untersuchen. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration haben für die Studie Ende 2017 gemeinsam insgesamt 708 Tausend Euro bewilligt. Mit einem Ergänzungsantrag konnten Ende 2018 von beiden Ministerien weitere Mittel für die Einbindung der Philipps Universität Marburg und für die neuropädiatrische Beratung eingeworben werden.

In Deutschland sind mehr als 800.000 Menschen von Epilepsie betroffen. Oft erhalten die Betroffenen erst nach Jahren die richtige Diagnose und werden anfänglich falsch behandelt. Verspätete Diagnosen und Fehldiagnosen führen zu psychosozialer Belastung und verlängern die Krankheitszeiten. Dabei könnten die Anfälle in zwei Dritteln der Fälle rascher kontrolliert werden, wenn die mittlerweile 30 zur Verfügung stehenden Antiepileptika frühzeitig und richtig eingesetzt würden.

Bislang ist die Epilepsie-Expertise in Hessen aber nicht flächendeckend verfügbar. Mit ein Grund dafür ist die im Ländervergleich niedrige Dichte an neurologischen Praxen (Platz 13). Für Epilepsiepatienten ist dies problematisch, weil sie aufgrund der Therapie mit Anti-Epileptika nicht Auto fahren dürfen. Zudem sind überdurchschnittlich häufig behinderte und alte Menschen von Epilepsie betroffenen. Auch sie sind weniger mobil als andere Patienten und können deshalb die spezialisierten Zentren nicht gut erreichen.

„Die Telemedizin kann eine wichtige Rolle spielen, um die Kompetenz der spezialisierten Zentren in die Fläche zu bringen. Aber bisher stehen wir damit in unserem Fachgebiet noch ganz am Anfang“, so Prof. Felix Rosenow vom Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main. Sein Kollege Prof. Adam Strzelczyk, der mit ihm den Projektantrag stellte, ergänzt: „In einigen Bundesländern, aber nicht in Hessen, gibt es mittlerweile erste Ansätze, einzelne Krankhäuser konsiliarisch mit Expertise zu versorgen, bis hin zu noch sehr kleinen tele-epileptologischen Netzwerken, die aber rein krankenhausbasiert sind.“

In dem nun bewilligten Projekt ist zunächst geplant, ein telemedizinisches Netzwerk für die Epilepsieversorgung in Hessen zu etablieren. Ziel ist es, die am Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main und am Epilepsiezentrum Marburg vorhandene Expertise zunächst mit je fünf bis zehn Kliniken und neurologischen Praxen zu teilen.  Begleitend wird mit einer Versorgungsforschungsanalyse geprüft, ob sich mit diesem Ansatz verlängerte Krankenhausaufenthalte, Arbeitslosigkeit sowie Frühberentung vermindern lassen und eine bessere Integration am Arbeitsmarkt ermöglicht wird.
 Eine wesentliche technische Innovation, die auch im Rahmen des Projekts vorangetrieben werden soll, ist die Schaffung von standardisierten und zertifizierten Lösungen für die telemedizinische Auswertung von EEG-Daten.
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LOEWE-Schwerpunkt CePTER nimmt Arbeit auf

Das Hessische Landesprogramm LOEWE fördert in der 10. Förderstaffel den Schwerpunkt CePTER mit rund 4,7 mio. Euro. Um eine verbesserte Behandlung von Patienten mit Epilepsie geht es in dem Loewe-Schwerpunkt CePTER (Center for Personalized Translational Epilepsy Research) unter der Federführung von Prof. Rosenow von der Goethe-Universität. In diesem Projekt soll bei Epilepsie-Patienten aus Frankfurt, Marburg und Mainz nach individuellen Krankheitsursachen auf der strukturellen, molekularen und genetischen Ebene gesucht werden. Epilepsien haben unterschiedliche Ursachen und Erscheinungsformen. Bisher ist die Behandlung jedoch unspezifisch und kann nur die Symptome lindern. Dank neuer diagnostischer Methoden, die dem CePTER-Konsortium fachübergreifend in Hessen in einem einzigartigen Umfang zur Verfügung stehen, verbessern sich jetzt die Chancen, die Entstehung der Krankheit zu verstehen.

Mehr Informationen finden Sie unter http://www.uni-frankfurt.de/67689811

Forschung: Aus Wissen wird Gesundheit

Getreu dem Motto des Universitätsklinikums „Aus Wissen wird Gesundheit“ sind die Mitarbeiter des Epilepsiezentrums auch in der Forschung aktiv. Die Arbeitsgruppe für translationale Epilepsieforschung erhält derzeit die höchste europäische Förderung im Bereich der Epilepsieforschung in Deutschland. Herr Professor Rosenow ist Co-Koordinator des EpimiRNA-Projektes, welches mit 11,5 Millionen Euro gefördert wird, von welchen 2,2 Millionen auf die eigene Arbeitsgruppe entfallen. Ziel ist es, die Rolle von kleinen, nichtkodierenden Ribonukleinsäuren (sog. Mikro-RNA) bei der Entstehung einer Epilepsie zu erforschen.


Professor Rosenow und sein Team hoffen, dass sich neue Behandlungs- und Diagnoseansätze ergeben. So könnten z. B. Mikro-RNA-Veränderungen die Entwicklung einer Epilepsie belegen oder darauf hinweisen, dass ein Status epilepticus stattgefunden hat. Das EpimiRNA-Projekt wird von Herrn Professor Dr. David Henshall, Dublin, koordiniert und von 16 internationalen Partnerinstitutionen durchgeführt. Dazu gehören neben dem Royal College of Surgeons in Irland auch das University College in London, die Columbia University in New York, aber auch Firmen wie z. B. Cerbomed GmbH (für Details siehe auch www.epimirna.eu).


Desweiteren wird die Arbeit der AG translationale Epilepsieforschung auch von der Cure-Foundation aus den USA gefördert. Hier wird der Einfluss von Proteinen der angeborenen Immunität (sog. Toll-Like-Rezeptoren, TLR) untersucht. Die AG translationale Epilepsieforschung freut sich schon jetzt auf die enge Kooperation mit den Institutionen, die dem neurowissenschaftlichen Schwerpunkt der Medizinischen Fakultät angehören sowie mit den extrauniversitären Institutionen wie den Max-Planck-Instituten für Hirnforschung, dem Ernst-Strüngmann Institut und dem Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik.