Neuromonitoring, Intraoperative und Klinische Neurophysiologie

Die Neurophysiologie ist die Wissenschaft von den normalen Lebensvorgängen des Nervensystems. Um diese Vorgänge zu untersuchen, werden Untersuchungen und Verfahren angewandt, die beispielsweise die Funktionstüchtigkeit der Sehnerven, der Hörnerven, der Gesichtsnerven, der Nervenleitbahnen für die Bewegungsfähigkeit und das Oberflächenempfinden überprüfen.

Da bei neurochirurgischen Erkrankungsbildern häufig eine Störung eines oder mehrerer Anteile des Nervensystems vorliegt, dienen die Messergebnisse z.B. vor einer Operation als Aussage für das Ausmass der bereits vorhandenen Schädigung, sowie als Vergleich für den postoperativen Verlauf.

Klinische Anwendung
Besonders wichtig ist die Anwendung dieser Verfahren während neurochirurgischer Operationen. Diese erlauben eine zeitgleiche Überwachung der Nervenleitbahnen und geben dem Chirurgen während des Operierens eine Rückmeldung über die Funktion der Nervenleitbahnen. Ziel ist, die Funktion des Nervengewebes zu erhalten und dennoch z.B. einen Tumor möglichst vollständig zu entfernen.
Dies soll an einem Beispiel veranschaulicht werden: So führt ein großer Tumor, der vom Hörnerven ausgeht, oftmals durch seine enge Lagebeziehung zum Gesichtsnerv auch zur Irritation desselben vor einer Operation. Dieser, für die Gesichtsbewegung so wichtige Nerv, kann während der Operation mittels einer sehr niedrigen und lokalisierten elektrischen Stimulation direkt erregt werden. Dies erlaubt die Darstellung des Nerven und dessen Unterscheidung vom Tumorgewebe. Der Tumor kann dann vom Nerven abpräpariert werden, die Stimulation gibt immer wieder Aussage über die Leitfähigkeit des Nerven und damit den funktionellen Erhalt der Nervenfunktion.


Methoden der Neurophysiologie
Die Neurophysiologie untersucht mit spezifischen Meßmethoden die physiologische Funktion spezieller Bahnen des Nervensystems. Dies wird in der Funktionsdiagnostik für Erkrankungen des Nervensystems, aber auch zur wissenschaftlichen Untersuchung der Physiologie und Pathophysiologie des Nervensystems angewandt. Am weitesten verbreitet ist die Elektroenzephalographie (EEG), bei der sogenannte „Hirnströme“ gemessen werden.
Die Methodik der evozierten Potentiale umfaßt die Messung einer zeitlich abhängigen spezifischen Reaktion auf einen gegebenen Stimulus (i.e. evoziertes Potential). Dazu zählen die visuell evozierten Potentiale (VEP), akustisch evozierten Potentiale (AEP), somatosensibel evozierten Potentiale (SEP) und die motorisch evozierten Potentiale (MEP). AEP, SEP und MEP sind robuste Methoden, die auch bewußtseinsunabhängig, d.h. in der Intensivmedizin und unter Narkose angewandt werden können. Des Weiteren gibt es Verfahren zur Funktionsdiagnostik des peripheren Nervensystems (motorisch und sensible Nervenleitgeschwindigkeit), sowie der neuromuskulären Überleitung mittels des Elektromyogramms (EMG).

Die Neurophysiologie wird in unserer Klinik in folgenden Bereichen eingesetzt:

1. Diagnostik und Verlaufsdiagnostik neurochirurgischer Erkrankungen


2. Neurophysiologie in der neurochirurgischen Intensivmedizin

Da insbesondere die frühen evozierten Potentiale robust gegenüber der Bewußtseinslage und pharmakologischen Einflüssen sind, können diese die klinische Beurteilung und Prognoseeinschätzung von bewußtseinsgestörten Patienten unterstützen.

3. Intraoperative Neurophysiologie (ION)
Bei neurochirurgischen Eingriffen am Gehirn und Rückenmark steht die Erhaltung der neurologischen Funktion im Vordergrund.
Aufgabe der intraoperativen Neurophysiologie ist es, mit Hilfe der kontinuierlichen Ableitung von EEG, SEP