Pressemitteilungen 2009

Uniklinik Frankfurt erforscht neuen Therapieansatz bei bösartigen Gehirntumoren

Deutsche Krebshilfe fördert Forschungsprojekt von Frankfurter Neurowissenschaftler.

Die Deutsche Krebshilfe unterstützt ein Projekt der Klinik für Neurochirurgie des Klinikums der J.W. Goethe-Universität Frankfurt mit 265.000 Euro. Das Projekt unter der Leitung von Privatdozent Dr. Donat Kögel untersucht, ob ein gezielt herbeigeführter Zelltod bösartige Hirntumoren beseitigen kann. Genetisch gesteuerte Zelltodprogramme erlauben es jeder Zelle, unter bestimmten Vorraussetzungen einen geregelten Selbstmord zu begehen. Durch Vernichtung geschädigter und potentiell gefährlicher Zellen übernimmt dieser programmierte Selbstmord eine wichtige Gesundheitsgewährleistung. Allerdings können sich bösartige Krebszellen durch die Überproduktion zelleigener Faktoren, die dem Zelltod entgegenwirken, dieser Selbstzerstörung entziehen. Die Projektbeteiligten befassen sich deshalb ganz besonders mit den molekularen Mechanismen, die eine Behandlungsresistenz hervorrufen, um neue zielgerichtete Therapien zu entwickeln.

Gezielte Tötung von Tumorzellen
Die Zelltodresistenz bösartiger Gehirntumoren stellt ohne Zweifel eines der größten Hindernisse für eine erfolgreiche Behandlung dar. „Diese Tumoren enthalten außerdem so genannte Tumorstammzellen, die eine besonders hohe Therapieresistenz aufweisen. Das spielt wahrscheinlich eine fundamentale Rolle für die Wiederkehr der Tumoren nach operativer Entfernung, Chemo- und Radiotherapie“, erklärt Privatdozent Dr. Kögel. Therapeutische Zielstrukturen, die im Rahmen des Projekts untersucht werden, sind u.a. Mitglieder der so genannten Bcl-2 Familie, eine Gruppe von Eiweißen, die zentrale Regulatoren des programmierten Zelltodes darstellen und in bösartigen Hirntumoren und in Tumorstammzellen in hohem Ausmaß produziert werden. Die Aktivierung des programmierten Zelltodes durch die Blockade von Mitgliedern der Bcl-2 Familie ist ein hoffnungsvoller Ansatz bei der Behandlung von bösartigen Tumoren im Gehirn. „Ich erhoffe mir durch das Forschungsprojekt weitere entscheidende Erkenntnisse über die Entstehung und das Wachstum von bösartigen Hirntumoren – und damit verbunden natürlich neue medikamentöse Therapieansätze“ erklärt Prof. Dr. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Klinikums der J.W. Goethe-Universität.

Frankfurt am Main, 27. Mai 2009

Für weitere Informationen:

Priv. Doz. Dr. rer. nat. Donat Kögel
Klinik für Neurochirurgie, Neuroscience Center
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon:      (0 69) 63 01 – 6923
Fax:      (0 69) 63 01 – 5575
E-Mail:   koegel@em.uni-frankfurt.de
Internet: www.neuroscience-center.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. med. Volker SeifertDirektor der Klinik für NeurochirurgieKlinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am MainFon:     (0 69) 63 01 – 5295Fax:     (0 69) 63 01 – 6322

 

 

 

 

Pressemitteilung 13.02.2009

Interdisziplinäres Hirngefäßzentrum am Frankfurter Uniklinikum gegründet

Mit vereinten Kräften bietet das neue Zentrum Patienten mit Hirngefäßerkrankungen die derzeit modernste Behandlung.

Die Ursachen für Schlaganfälle sind Durchblutungsstörungen im Gehirn und Blutungen im Schädelinneren, die dauerhafte Behinderungen oder gar den Tod zur Folge haben können.

Dank moderner Diagnostik und bildgebender Verfahren ist es jedoch möglich, die Schlaganfall verursachenden Erkrankungen der hirnversorgenden Gefäße früher zu erkennen, effektiv zu behandeln und so einem Schlaganfall vorzubeugen. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit der Fachdisziplinen Neurologie, Neurochirurgie, Neuroradiologie und Gefäßchirurgie.
Im Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main wird eine derartige Kooperation bereits seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert. Experten verschiedener Fächer besprechen gemeinsam die bestmögliche und risikoärmste Behandlung für jeden Patienten. Im August 2008 erfolgte die Gründung des Hirngefäßzentrums, die die Zusammenarbeit der Klinik für Neurologie, der Klinik für Neurochirurgie, des Instituts für Neuroradiologie sowie der Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie institutionalisiert. Beteiligt sind außerdem das mit dem Universitätsklinikum eng zusammenarbeitende Gamma-Knife-Zentrum sowie externe Partner. Nach einer mehrmonatigen Anlaufphase nimmt das Hirngefäßzentrum nun in vollem Umfang seinen Betrieb auf und baut damit die Versorgung von Patienten mit Erkrankungen der hirnversorgenden Gefäße im Rhein-Main-Gebiet aus.
Ziel ist es außerdem, den Zugang für Patienten und Zuweiser zu einer optimalen Behandlung zu verbessern und die Zusammenarbeit der beteiligten Fachdisziplinen zu intensivieren und zu vereinheitlichen.

Vollständiges Behandlungsangebot am Hirngefäßzentrum
Das Hirngefäßzentrum bietet nach Auskunft von Prof. Dr. Joachim Berkefeld, Sprecher des Hirngefäßzentrums und leitender Oberarzt am Institut für Neuroradiologie, das komplette Behandlungsangebot für Patienten mit Hirngefäßerkrankungen.
„Pro Jahr behandeln wir 1.100 Schlaganfälle, führen 750 ambulante Untersuchungen durch und stehen in etwa 1.000 unklaren Fällen beratend zur Verfügung. Außerdem beurteilen wir vermehrt elektronisch übermitteltes, radiologisches Bildmaterial“, erläutert Prof. Berkefeld die Leistungen des neu gegründeten Zentrums.

Ausgebaut wurde die medizinische Versorgung im Hinblick auf eine gemeinsame Sprechstunde und eine anschließende Fallkonferenz. „Bei der gemeinsamen Sprechstunde haben Patienten die Möglichkeit, mit den Experten aus den verschiedenen beteiligten Kliniken zu reden. In der nachfolgenden Fallkonferenz legen die Ärzte dann die beste Behandlung fest“, erklärt der Zentrumssprecher. „Alle beteiligten Fachdisziplinen werden durch ausgewiesene Experten vertreten und stellen den Patienten und uns ihr Wissen und ihr medizinisches Equipment voll und ganz zur Verfügung. So können wir zum Beispiel die Stroke Unit der neurologischen Klinik für Schlaganfallpatienten nutzen“, berichtet Prof. Berkefeld weiter.
Die der Klinik für Neurologie angegliederte Gefäßstation und Gefäßambulanz bieten ein differenziertes Angebot zur Diagnostik und medikamentösen Behandlung von Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko. Wenn eine medikamentöse Vorbeugung bei Verengungen (Stenosen) der hirnversorgenden Schlagadern nicht mehr ausreicht, sind eine gefäßchirurgische Operation durch die Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie oder eine Katheterbehandlung mit einer von der Leiste aus eingebrachten Gefäßstütze (Stent), in Einzelfällen auch eine neurochirurgische Bypassoperation möglich.
Zur Diagnostik und Behandlung von Gefäßaussackungen (Aneurysmen) im Schädelinneren können modernste bildgebende Methoden mit hochauflösender Kernspintomographie und 3D-Angiographie genutzt werden. Danach entscheiden die Experten, welcher Eingriff am besten geeignet ist, um eine Blutung zu vermeiden. Für die Behandlung von Angiomen, das heißt Gefäßmissbildungen mit einer Kurzschlussverbindung zwischen Schlagadern und Venen, stehen die Behandlungsalternativen Operation, kathetergestützte Embolisation mit Einbringen von Gewebeklebern oder die gezielte Bestrahlung im eng assoziierten Gamma-Knife-Zentrum zur Verfügung.

„Ein besonderer Schwerpunkt des Hirngefäßzentrums ist die Beratung von Patienten mit zufällig entdeckten Gefäßkrankheiten“, erläutert Prof. Berkefeld. „Es kommt sehr häufig vor, dass bei bildgebenden Untersuchungen mit Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie Gefäßverengungen, Aneurysmen oder Gefäßfehlbildungen festgestellt werden, die zwar bis dato keine Beschwerden verursacht haben, aber im weiteren Verlauf ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall oder eine Blutung darstellen“, fährt der Zentrumssprecher fort.

Ein weiterer Service des Hirngefäßzentrums ist der 24-Stunden-Telefondienst. Er ist unter der Telefonnummer (0 69) 63 01 – 54 90 erreichbar.


Frankfurt am Main, 13. Februar 2009


Link zum Hirngefäßzentrum