Archiv

2016

  • In den KEK-Sitzungen 2016 wurden intensiv die zum Teil schwierigen Ethikberatungen diskutiert. Ebenso befassten sich die Mitglieder ausführlich mit den in den AGs entwickelte Handreichungen. Darüber hinaus wurden folgende Themen behandelt:

    • Das am 06.11.2015 im Bundestag beschlossene und am 10.12.2015 in Kraft getretene Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. Es ist im neuen § 217 nach § 216 (Tötung auf Verlangen) im besonderen Teil des StGB-E verortet. Die geschäftsmäßige (d. h. auf Wiederholung angelegte) Förderung der Selbsttötung steht nun unter Strafe.
    • Die in Großbritannien weltweit erstmals durchgeführte Genmanipulation an gesunden Embryonen im Rahmen eines Forschungsprojektes. Dieses sogenannte gene editing mittels der Methode Crispr/Cas9 wäre nach deutschem Embryonenschutzgesetz nicht verboten.
    • Die „Stellungnahme zu Embryospende, Embryoadoption und elterlicher Verantwortung“ des Deutschen Ethikrates vom 22. März 2016.
    • Der BGH-Beschluss vom 6. Juli 2016 zu den Anforderungen an PV und VV. Die Auswirkungen auf die PV-Praxis bleiben abzuwarten.
    • Der Beschluss des BGH vom 26. Juli 2016 „Die Beschränkung ärztlicher Zwangsbehandlung auf untergebrachte Betreute ist mit staatlicher Schutzpflicht nicht vereinbar“, in dem festgestellt wurde, dass die bis dahin gültige Beschränkung der betreuungsrechtlichen Zwangsbehandlung nicht geschlossen untergebrachte Patienten benachteiligt und damit verfassungswidrig ist.
    • Die seit Oktober 2016 am Klinikum gültige SOP zur Patientenfixierung und die damit verbundenen Probleme in der praktischen Umsetzung.
    • Die Problematik der Reformierung des Hessischen Freiheitsentziehungsgesetzes (Rechtsnorm des Psychisch-Krankengesetzes) „Gesetz über die Entziehung der Freiheit geisteskranker, geistesschwacher, rauschgift- oder alkoholsüchtiger Personen“.
  • Tagung „Ethikberatung in Klinik und Altenpflegeheim – zum Stand der Dinge“ 
    Gemeinsam mit dem Frankfurter Netzwerk Ethik in der Altenpflege veranstaltet das Klinische Ethik-Komitee des Universitätsklinikums am Samstag, den 18. Juni die Tagung „Ethikberatung in Klinik und Altenpflegeheim – zum Stand der Dinge“. 
    Anlass ist das zehnjährige Jubiläum des KEK im letzten und das zehnjährige Jubiläum des Frankfurter Netzwerks im nächsten Jahr.
    Nähere Informationen finden sie in unserem Veranstaltungsflyer.

  • Projekt DNR:
    In der Septembersitzung diskutierten die KEK-Mitglieder auf Grundlage von Vorlagen aus anderen Häusern und ihrer eigenen Erfahrungen über Notwendigkeit, Umsetzbarkeit und die Möglichkeit einer klinikumsübergreifenden Gestaltung eines DNR-Papiers. Als erste Tendenz ließ sich festhalten, dass die Entwicklung eines klinikumeigenen Papiers begrüßt wird, welches eher kurz als ausführlich und gut in die elektronische Patientenakte integrierbar (für jeden gut sichtbar!) sein sollte. Innerhalb einer AG (siehe oben) soll nun ein entsprechendes Papier ausgearbeitet werden, das kommendes Jahr dann im KEK diskutiert und verabschiedet werden soll.
  • Palliativstation:
    Zum Zeitpunkt der Planung eines neuen Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung hielt Frau Dr. Gog im KEK hierzu einen Vortrag. Ziel des Gesetzentwurfs ist die Verbesserung der Versorgungsstrukturen durch eine organisatorische Umstrukturierung und eine Verbesserung der Finanzierung. In diesem Rahmen gab Frau Dr. Gog auch einen kurzen Überblick über die derzeitigen Arbeitsbedingungen auf der Palliativstation. Nach wie vor ist die Situation kritisch, da der Bedarf an Betten (7 Betten) und an Personal (7 Pflege-, und zwei ärztliche Stellen) dem realen Bedarf kaum gerecht wird. Dadurch lässt sich auch der geforderte Konsiliardienst nicht realisieren.
  • Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung:
    Die Thematik der Gesundheitsvorsorge beschäftigte das KEK auch 2015, u. a. in Vorbereitung auf die Öffentliche Veranstaltung im März zusammen mit dem UCT (siehe oben).
    Frau Wolf-Braun stellte im Mai den KEK-Mitgliedern die Ergebnisse der zusammen mit Herrn Wilke durchgeführten Patientenbefragung zur aktiv angebotenen Gesundheitsvollmacht im Rahmen der Aufklärung vor elektiven Eingriffen vor. Insgesamt kann man sagen, dass die Informationen und Angebote von den interviewten Patienten bisher ausgesprochen positiv angenommen werden.
  • Ethische Probleme in der Behandlung von Kindern mit Transidentitätsstörungen:
    Dr. Thomas Lempp, Leiter der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz am Uniklinikum und hier u. a. in der Transidentitätssprechstunde tätig, hielt im KEK einen Vortrag mit dem Titel: „Die medizinethische Debatte zur pubertätshemmenden Hormontherapie bei Kindern mit Geschlechtsidentitätsstörung“. Herr Lempp schilderte umfassend die Problematik bei der Beratung und Behandlung betroffener Kinder und Jugendlicher. Die moralische Debatte ist gekennzeichnet von drei Fragestellungen:
    Handelt es sich um eine psychische Erkrankung? Die Behandlung ist in der Psychiatrie angesiedelt. Welchen Stellenwert hat die verpflichtende begleitende Psychotherapie? Und welches ist der geeignete Zeitpunkt für erste somato- medizinische Maßnahmen – pubertätshemmende Hormonbehandlung ja oder nein? Das KEK wird dieses Thema weiter verfolgen, indem Mitglieder der Geschäftsführung künftig am AK Rhein-Main Transsexualität teilnehmen.
  • Organtransplantation:
    Auch das Thema postmortale Organtransplantation war 2015 im KEK präsent. So berichtete Frau Wolf-Braun regelmäßig von ihrer Teilnahme am Qualitätszirkel Organspende des Uniklinikums. In der Augustsitzung referierte PD Dr. Jan Mersmann über den Stand am UFK und ethische Probleme im Zusammenhang mit Transplantation. Herr Mersmann ist Haupttransplantationsbeauftragter des Uniklinikums und arbeitet mit jeweils einem Transplantationsbeauftragten der Stationen B3, C1, 95-3 und 32-2 zusammen. In seinem Vortrag ging es unter anderem um die ethische Problematik einer Gruppe von Patienten, die eine infauste Prognose haben und als Organspender in Frage kämen, aber (noch) nicht die Kriterien des Hirntodes erfüllen. In solchen Fällen stellt sich z. B. die Frage, über welchen Zeitraum es vertretbar ist, organerhaltend weiter zu therapieren, bis evtl. der Hirntod (nach den derzeit geltenden Kriterien) eintritt. Ebenso wurde die Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt für Angehörigengespräche aufgeworfen. Als Ergebnis der Diskussion wurde die Planung einer Arbeitsgruppe beschlossen, deren Ziel die Erarbeitung eines Positionspapiers zu den angesprochenen Problemen ist.
  • Empfehlungen zum Umgang mit traumatisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern:
    Frau Thomana Igel (Leiterin der Personalberatungsstelle des Uniklinikums) stellte den KEK-Mitgliedern zu Beginn des Jahres die unter ihrer Führung entwickelten Empfehlungen zum Umgang mit traumatisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor. Am Klinikum existiert ein Notfallplan, der vorsieht, dass sich die Seelsorge um traumatisierte Patienten kümmern soll, jedoch ist keine entsprechende Unterstützung für die Mitarbeiter vorgesehen. Die Empfehlungen enthalten eine Art „Fahrplan“ mit praktischen Informationen zu unterschiedlichen Bedrohungsszenarien. Diskutiert wurde die Frage einer dauerhaften Implementierung eines solchen Notfallplans.
  • Das KEK wurde diesen Sommer 10 Jahre alt! Die Geschäftsführung bedankt sich insbesondere bei den Gründungsmitgliedern sowie bei allen, die in Vergangenheit und Gegenwart die Arbeit aktiv unterstützt und so die Verankerung der Klinischen Ethik am Uniklinikum vorangetrieben haben.
  • Ein besonderer Dank gilt Herrn Wilhelm, der mit der Beendigung seiner Arbeit als Pflegedirektor des Uniklinikums auch aus dem KEK ausgeschieden ist. Durch sein Engagement und seine Überzeugung vom KEK als notwendige und wichtige Institution des Uniklinikums hat er maßgeblich zum 10-jährigen Bestehen beigetragen.
  • Herr Failmezger, der zurzeit die Pflegedirektion kommissarisch leitet, hat zugesagt, die Arbeit des Klinischen Ethik-Komitees weiter wie bisher zu unterstützen.
  • Eine erste Auswertung der Patientenbefragung zum Einsatz der klinikeigenen Gesundheitsvollmacht hat ergeben, dass die Informationen und Angebote von den interviewten Patienten ausgesprochen positiv angenommen werden.
  • Seit Mai besucht Frau Wolf-Braun regelmäßig die anästhesiologisch-operative Intensivstation C1 und begleitet ärztliche Visiten wie auch Pflegende als teilnehmende Beobachterin. Ziel ist es, einen besseren Einblick in die praktischen Abläufe dieser Station zu gewinnen.
  • Im Juli nahmen Frau Wolf-Braun und Frau Weiske erstmals am Arbeitskreis Transsexualität teil, in dem sich Ärzte (Endokrinologen, Psychiater), Psychologen und Psychotherapeuten aus dem Rhein-Main-Gebiet über aktuelle Themen und Fälle austauschen. Hierbei werden regelmäßig auch ethische Fragestellungen diskutiert.

 

 

 

 

2015

  • In der August-Sitzung referierte PD Dr. Jan Mersmann (Haupttransplantationsbeauftragter des Uniklinikums) als Gast im KEK zum Stand der Transplantationsmedizin am UFK und ethische Probleme im Zusammenhang mit möglichen Organspendern. In dem überaus interessanten und informativen Vortrag ging es unter anderem um die Problematik einer Gruppe von Patienten, die eine infauste Prognose haben und als Organspender in Frage kämen, aber (noch) nicht die Kriterien des Hirntodes erfüllen. Desweiteren wurden auch Probleme zum Thema Angehörigengespräche sowie zum Spannungsverhältnis zwischen Organspendeausweis (bzw. mutmaßlicher Wille zur Organspende) und Patientenverfügung mit bekundetem Willen zur Therapiebegrenzung erörtert. Ein weiteres Treffen zur Planung einer Arbeitsgruppe, die ein Positionspapier zu den schwierigen Fragestellungen erarbeiten soll, ist bereits terminiert.
  • In der April-Sitzung des KEK referierte Dr. Thomas Lempp als Gast zum Thema “die medizinethische Debatte zur pubertätshemmenden Hormontherapie bei Kindern mit Geschlechtsidentitätsstörung”. Herr Lempp ist Leiter der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz am Klinikum und hier u. a. in der Transidentitätssprechstunde tätig. In dem ca. 1-stündigen Vortrag schilderte Herr Lempp umfassend die Problematik bei der Beratung und Behandlung betroffener Kinder und Jugendlicher und diskutierte mit den KEK-Mitgliedern die ethischen Probleme, die sich hieraus ergeben.
  • Am 26. März fand die öffentliche Veranstaltung des KEK  “Möglichkeiten und Grenzen von Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung” statt. Mit drei Vorträgen wurde umfassend zu diesem Themenbereich referiert, neben Grundlagen zu den Vorsorgeinstrumenten (Dr. Timo Sauer) wurde auch von den Erfahrungen aus der klinischen Praxis (Prof. Jörg Bojunga) sowie über das aktuelle Projekt zur Anwendung der klinikeigenen Gesundheitsvollmacht (Dr. Barbara Wolf-Braun) berichtet. Daneben gab es Raum für die zahlreichen Fragen der Zuhörer. Mit ca. 150 Teilnehmern war die Veranstaltung überaus gut besucht, die Resonanz durchweg positiv.
  • In der Februarsitzung stellte Frau Thomana Igel (Personalberatung) die „Empfehlung zum Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach traumatischen Erfahrungen vor. Nach einigen kritischen Vorkommnissen im Klinikum hatte es im KEK entsprechende Diskussionen zum Bedarf eines „Notfallplans“ gegeben. Das vorliegende Papier ist noch durch den Vorstand zu verabschieden.
  • Im Januar 2015 verlässt PD Dr. Oliver Singer das Universitätsklinikum und scheidet daher auch aus dem Klinischen Ethik-Komitee aus. Die Geschäftsführung des KEK dankt Herrn Singer für die langjährige Mitarbeit und wünscht ihm alles Gute für seine neue Aufgabe. An Stelle von Herrn Singer wird PD Dr. Johannes Rieger das Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie im KEK vertreten.
  • Das Klinische Ethik-Komitee des Universitätsklinikums der Johann Wolfgang-Goethe Universität ist seit Dezember 2014 nach DIN 9001:  2008 zertifiziert

2014

Frankfurter Netzwerk Ethik in der Altenpflege gewinnt den internationalen Hans Joachim Schwager Award

Am 24. April 2014 wurde das von Dr. Timo Sauer und Dr. Gisela Bockenheimer-Lucius geleitete Frankfurter Netzwerk Ethik in der Altenpflege (Drittmittelprojekt am Dr. Senckenbergischen Institut für Geschichte und Ethik der Medizin) mit dem Hans-Joachim-Schwager-Award ausgezeichnet. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird von der v. Bodelschwighschen Stiftung Bethel und der International Conference on Clinical Ethics & Consultation (www.clinical-ethics.org) als Anerkennung für ein anhaltendes Engagement im Bereich der Klinischen Ethik vergeben. Der Preis wurde erstmals 2013 in München an eine australische Gruppe verliehen. In diesem Jahr wurde er anlässlich der 10. International Conference on Clinical Ethics & Consultation in Paris vergeben.

Weitere Themen

  • Im Rahmen der „Frankfurter und Mainzer Intensivtage“ am 14. und 15. Nov. 2014 gab es auch eine „Ethik-Session“, in der Herr Wilke zum Projekt Gesundheitsvollmacht am KGU referierte. Ebenso haben Herr Schwarzmann als Vertreter der Pflege sowie Frau Wolf-Braun an diesem Veranstaltungsnachmittag über Erfahrungen mit der klinischen Ethikberatung berichtet.
  • Die Implementierung der Gesundheitsvollmacht in der KAIS hat begonnen und wird durch eine empirische Erhebung begleitet. Erste Ergebnisse sollen im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung des KEK am 26. März 2015 vorgestellt werden.
  • Das KEK freut sich, Frau Dr. Dipl.-Psych. Bianca Senf, Leiterin der Psychoonkologie, als neues Mitglied für die weitere Arbeit gewonnen zu haben. Frau Senf ist seit 2011 am Klinikum und baut seither die Psychoonkologie mit verschiedenen Angeboten für onkologische Patienten und ihre Angehörigen auf.
  • Die KEK-Mitglieder blicken auf eine interessante Sitzung im September zurück. Herr Buchstab, Richter am Frankfurter Familiengericht, hatte sich freundlicherweise als Diskussionspartner zur Verfügung gestellt. Es ging um die die Frage, welche Möglichkeiten es im Allgemeinen gibt, wenn Eltern erkrankter Kinder die aus ärztlicher Sicht notwendigen medizinischen Maßnahmen verweigern. Dies war in der jüngeren Vergangenheit in zwei Fällen Grund für eine Ethikberatung in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.
  • In Gesprächen mit Pflegekräften der Neurologie Anfang 2014 ging es um eine erneute Betrachtung der Situation bezgl. des Umgangs mit potentiellen Organspendern. Seit den ersten Gesprächen im Sommer 2013 hat sich die Situation insgesamt verbessert. Es würde sich bemüht, die Belastungen für potentielle Organspender und ihre Angehörigen zu minimieren, die Prozesse seien transparenter geworden.
  •  Im Hinblick auf die Fortsetzung der Arbeit des KEK zum Thema Organspende wurde Kontakt zum „Qualitätszirkel Organspende“ hergestellt. Der Zirkel trifft sich vier bis fünf Mal im Jahr. Es geht darum, die gesetzlichen Regelungen konkret umzusetzen und darüber hinaus den Gesamtprozess im Sinne des Patienten transparent zu gestalten. Die vom Vorstand eingesetzten Transplantationsbeauftragten bilden seit der Neuauflage des Transplantationsgesetzte den Kern der Gruppe. Hinzukommen noch Mitarbeiter der Pflege und der Seelsorge aus verschiedenen Bereichen. Ein Mitglied der KEK-Geschäftsführung wird künftig ebenfalls an den Treffen teilnehmen.
  • Es finden derzeit verschiedene Aktivitäten statt, um die Gesundheitsvollmacht in der Klinik bekannt zu machen, insbesondere wird sie auf verschiedenen Stationen vorgestellt. Am 2. Juli 2014 wird sie in größerem Rahmen den Mitarbeitern der Chirurgie vorgestellt. Weiterhin hat die Geschäftsführung alle Klinikdirektoren und Pflegeleitungen gebeten, etwaige noch kursierende veraltete Vollmachtsformulare aus dem Verkehr zu ziehen.
  • Das KEK möchte weiterhin veranlassen, dass die elektronische Patientenakte so umgestaltet wird, dass neben dem Eintrag für das Vorliegen einer Patientenverfügung auch der Eintrag über vorhandene Vollmachten möglich ist.

2013

 

  • Am Dienstag, den 10.12.2013 fand eine Pressekonferenz zum Projekt "Frankfurter Gesundheitsvollmacht" statt. Von Seiten des Klinikums stellten der Initiator, Professor Dr. Dr. K. Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie (KAIS), OA Dr. H.-J. Wilke (KAIS/KEK) und Dr. B. Wolf-Braun (Geschäftsführerin KEK) die medizinischen und ethischen Aspekte des Vorhabens vor [pdf]. Weitere Hinweise hierzu finden sich unter  Berichte aus den Arbeitsgruppen und Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht.
  • Aus Anlass einer Problematik, die von Pflegekräften der Neurologie bei einer Vorstellung des KEK auf Station thematisiert worden war, ging es in der November Sitzung um die Behandlung potentieller Organspender im Präfinalstadium. Im Zentrum stand dabei die Frage, wann rein spendenzentrierte medizinische Maßnahmen (die also allein im Hinblick auf eine Organspende und nicht mehr zum Patientenwohl durchgeführt werden) ethisch zulässig sind. Besonders belastend wurde von den Pflegekräften u. a. das Absetzen der Schmerztherapie im Vorfeld einer anstehenden Hirntoddiagnostik empfunden. Als erstes Ergebnis von Gesprächen wird nun das Schmerzmittel Ultiva weiter verabreicht. Die Diskussion zeigte die Bandbreite der Gesamtproblematik, mit der sich u. a. auch eine AG der BÄK befasst.
  • In der Oktobersitzung referiert PD Dr. Andreas Schnitzbauer (ZChir) zum Thema „Ethische Fragen in der Transplantationschirurgie“. Am Beispiel der Lebertransplantation stellt er die Problematik der Verteilungskriterien dar. Einige mit entscheidende Kriterien sind schwer objektiv bestimmbar und immer auch von der subjektiven Einschätzung des jeweiligen Arztes abhängig. Die jüngsten Ereignisse unter dem Stichwort „Organspendeskandal“ haben die Problematik in den Fokus gerückt, sie führen aber auch zu Unsicherheiten seitens der verantwortlichen Ärzte, in diesem Bereich Fehler zu machen.
  • In der Juni-Sitzung wurde über einen Vorschlag von Herrn Sauer diskutiert, für Patienten und Angehörige Beratung rund um das Thema Patientenverfügung anzubieten. Hintergrund des Vorschlags war, dass bereits mehrfach Beratungsanfragen von Patienten an das KEK gerichtet wurden und dass auch ähnliche Anfragen beim Sozialdienst eingehen. Die Resonanz auf diesen Vorschlag war positiv. Das Beratungsangebot wird voraussichtlich Mitte August starten (siehe auch „Patientenverfügung“).
  • Seit einigen Sitzungen wird ein maßgeblich von OA Dr. Dr. Wilke (KAIS) initiiertes Projekt zur Etablierung einer Vorsorgevollmacht am KGU diskutiert. Die „Vollmacht für den Aufgabenkreis der Gesundheitssorge und Pflegebedürftigkeit“ (kurz: „Gesundheitsvollmacht“) wurde in einer Arbeitsgruppe (siehe auch „Berichte aus den Arbeitsgruppen“) für risikoreiche elektive Eingriffe entwickelt, bei denen absehbar ist, dass es zu Komplikationen und weiteren notwendigen Maßnahmen kommen kann, in die der Patient möglicherweise nicht mehr selbst einwilligen kann. In solchen Fällen  soll durch den aufklärenden Arzt auf die Vorteile einer solchen Vollmacht hingewiesen werden.
    Grundsätzlich kann die Vollmacht auch an anderer Stelle entsprechend eingesetzt werden. Sie wird im Umlaufverfahren zur 77. ordentlichen Sitzung des Klinischen Ethik-Komitees im Juli durch die Mitglieder verabschiedet und in der Folge dem Justiziar und dem Vorstand zur Genehmigung vorgelegt. Flankiert wird das Vollmachtsformular von zwei kommentierenden Papieren, eines an den Patienten selbst (ggf. auch an den potenziell Bevollmächtigten) gerichtet, das andere für die Ärzte konzipiert, in denen allen Beteiligten die Funktion der Gesundheitsvollmacht, die Rechte des Patienten und die Aufgaben des Bevollmächtigten eingehend erläutert werden.
  • Ende Dezember 2012 trat das "Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes" in Kraft. Prof. Rolle erläuterte in der Februarsitzung die Problematik der Beschneidung (Zirkumzision) bei Jungen ohne medizinische Indikation (z. B. aus religiösen oder kulturellen Gründen) in einem Alter, in dem diese nicht einsichts- und urteilsfähig sind. Insgesamt sind Komplikationen zwar selten, aber es handelt sich um einen irreversiblen Eingriff ohne informierte Zustimmung. Das Religionsrecht bzw. Elternrecht wird im Gesetz über das Recht auf körperliche Unversehrtheit gestellt. Unverständlich (und medizinisch nicht erklärbar) bleibt, warum der Eingriff innerhalb der ersten sechs Lebensmonate auch von Nicht-Medizinern ("von einer Religionsgemeinschaft dazu vorgesehene Personen" nach „besonderer Ausbildung“, die nicht näher spezifiziert wird), danach aber nur von Ärzten durchgeführt werden darf.
  • Aus verschiedenen Gründen gab es in den letzten Monaten einige Verabschiedungen und Neubenennungen. Die Geschäftsführung dankt den ausgeschiedenen Mitgliedern, Prof. Bechstein, Dr. Kottysch-Weber, Prof. Schlösser, Prof. Steinmetz und Prof. Wiegratz für ihre z. T. langjährige, engagierte Mitarbeit.

 


 

Ethik-Liaisondienst

Im Oktober 2011 wurde das Projekt „Ethik-Liaisondienst“ (ELD) auf der interdisziplinären Intensivstation C1 gestartet. Die Geschäftsführung des Klinischen Ethik-Komitees hatte bereits 2010 zusammen mit dem Pflegedirektor Überlegungen zur Etablierung eines ELDs auf angestellt. Nach acht Monaten Projektlaufzeit wurde die internistische Intensivstation B3 vom ELD mitbetreut.

Während der zweijährigen Tätigkeit des ELD wurden Mitarbeiter aller Berufsgruppen für das Vorhandensein und mögliche Bearbeitungsformen ethischer Problematiken im klinischen Kontext sensibilisiert. Dies geschah vorwiegend während der regulären Visiten, aber auch in Einzelgesprächen oder Ethikberatungen. Außerdem wurden Fortbildungen vor allem zu den rechtlichen Rahmenbedingungen der täglichen klinischen Arbeit angeboten und durchgeführt und praxisrelevante, hilfreiche Literatur ausgehändigt. In zwei multiprofessionellen  (medizinische Ethikerin, Psychologin, Seelsorgerin) Workshops beschäftigten sich vorwiegend Pflegende mit der Herausforderung des Umgangs mit trauernden Angehörigen auf Intensivstationen und fanden einen geschützten Raum zum gemeinsamen Austausch über dieses vielschichtige Thema.

Der Ethik-Liaisondienst wurde zum Oktober 2013 eingestellt.

Die Anregungen und Informationen zum Thema „Klinische Ethik“ haben in einigen Bereichen des Klinikums zu einer neuen Wahrnehmung geführt und es werden weitere Bereiche folgen, in denen dieses Thema auch in Zukunft mit Hilfestellung des KEK und seiner Mitarbeiter eine breitere Aufmerksamkeit erfahren wird.

Ich bedanke mich bei den interessierten Mitarbeitern aller Berufsgruppen für die konstruktiven und positiven Rückmeldungen und die vielen Diskussionen. Ich stehe unter meiner zukünftigen Email-Adresse dr.schaefer_medethik@web.de weiterhin für themenbezogene Kontaktaufnahme zur Verfügung.

Eine von mir zusammengestellte und kommentierte Literaturliste zum Thema klinische Ethik finden sie unter hier: [pdf]

Dr. med. Julia Schäfer

 


 

Seit Oktober 2011 gibt es einen Ethik-Liaisondienst (ELD), der in verschiedenen, fest definierten Bereichen der Klinik tätig ist.


Im Gegensatz zur Arbeitsweise des Klinischen Ethikkomitees (KEK), welches laut Satzung erst auf konkreten Antrag tätig wird, zeichnet sich der Ethik-Liaisondienst durch regelmäßige Präsenz im klinischen Alltag auf der Station aus.



Ziele und Arbeitsweise eines Ethik-Liaisondienstes

  • Antizipieren und frühzeitiges Erkennen ethischer Konfliktsituationen in der klinischen  Alltagsroutine
  • Klären rechtlicher Rahmenbedingungen z. B. während gemeinsamer Visiten
  • Bewusstmachen und Reflektieren der oft von moralischen Überzeugungen gestützten intuitiven Erkenntnis- und Entscheidungswege
  • Sensibilisierung der beteiligten Visitenteilnehmer für das Vorhandensein von ethischen Herausforderungen
  • Ermöglichen eines herrschaftsarmen Diskurses und Hilfestellung beim Strukturieren von komplexen Sachverhalten



Qualifikation und Stellung des ELD

Die Aufgabe der Konzeption und Implementierung des Ethik-Liaisondienstes im Rahmen des Modellprojekts obliegt Frau Dr. med. Julia Schäfer. Der Ethik-Liaisondienst ist in seinen Aufgaben dem ärztlichen Direktor zugeordnet und kooperiert auf informell-wissenschaftlicher Ebene regelhaft mit dem KEK.
Frau Schäfer ist Fachärztin für Anästhesiologie, u. a. mit der Zusatzbezeichnung für Palliativmedizin. Außerdem bringt sie durch ihre abgeschlossene Krankenpflegeausbildung Vorerfahrung und Sensibilität für die Perspektive der Pflege mit. Frau Schäfer bildet sich an der Universität Marburg im Bereich der Philosophie weiter. Die Motivation zum nochmaligen Studium entsprang der persönlichen medizintheoretischen Auseinandersetzung im Kontext von Intensiv- und Palliativmedizin.
Durch eine Ausbildung zur Beraterin für Ethik im Gesundheitswesen an der Universitätsklinik Nürnberg und die Durchführungserfahrung von Ethikberatungen in ihrem vorherigen Arbeitsbereich (SAPV) wird der Anforderung an die praktischen Aufgaben des Ethik-Liaisondienstes Rechnung getragen.


FAQ

  1. Was unterscheidet den Ethik-Liaisondienst von der Ethikberatung durch das KEK?
    Im Gegensatz zur Arbeitsweise des Klinischen Ethikkomitees (KEK), welches laut Satzung erst auf konkreten Antrag tätig wird, zeichnet sich der Ethik-Liaisondienst durch regelmäßige unaufgeforderte Präsenz im klinischen Alltag auf der Station aus. Der ELD arbeitet also ohne konkreten Antrag in Eigeninitiative und strebt dabei eine situationsangemessene Aktivität an.
  2. Wozu braucht man noch zusätzlich einen ELD, wenn man am Klinikum bereits die Möglichkeit hat, im Bedarfsfall eine Ethikberatung beim KEK einzufordern?
    Durch das Antizipieren und frühzeitige Erkennen ethischer Konfliktsituationen im klinischen Alltag wird das Ziel verfolgt, die Ausbildung von moralischen Überzeugungsfronten im Team zu vermeiden.  Es handelt sich hier also eher um eine präventive Tätigkeit, die im Idealfall die Notwendigkeit einer Ethikberatung durch das KEK gar nicht erst aufkommen lässt.
  3. Führt das dazu, dass die Ärzte auf der Intensivstation ihre Entscheidungen nur noch im „ethischen Zwangskorsett“ unter ELD-Aufsicht fällen dürfen?
    Die Letztverantwortung zur ärztlichen Indikation von Therapieentscheiden verbleibt ungeachtet der eigeninitiativen Aktivität des Ethik-Liaisondienstes bei den behandelnden Ärzten des Behandlungsteams. Durch die Aktivität des Ethik-Liaisondienstes soll lediglich gewährleistet werden, dass neben fachlich-medizinischen ebenfalls ethische Konflikte erkannt, ernstgenommen und strukturiert bearbeitet werden.
  4. Die Mitarbeiter von Intensivstationen arbeiten unter einem hohen Zeitdruck. Wie sollen die denn jetzt auch noch neben der täglichen Arbeit mit dem ELD sprechen?
    Bei allen Aktionen des ELD wird eine enge Vernetzung mit den bereits bestehenden stationsspezifischen strukturellen Vorbedingungen und Routineabläufen angestrebt, um die knappen Zeitressourcen der Mitarbeiter nicht zusätzlich zu strapazieren.
  5. Ist der ELD nur für die Gruppe der Ärzte und die schwierigen therapeutischen Entscheidungssituationen da?
    Bei der regelmäßig stattfindenden Visite ist die Anwesenheit der Pflegekräfte ausdrücklich erwünscht, so dass vor allem dort eine Kontaktaufnahme zum ELD zwanglos möglich ist. Für alle Beschäftigten der ausgewählten Intensivstationen besteht die Möglichkeit, einen Gesprächstermin zu vereinbaren um auch außerhalb der Visiten mit fraglich ethischen Belangen einen Austausch zu gewährleisten. Außerdem werden durch den Ethik-Liaisondienst regelmäßig stationsinterne Fortbildungen unter anderem mit ethischen und/oder rechtlichen Inhalten für Ärzte und Pflegekräfte angeboten.




Kontaktaufnahme zu Frau Dr. Julia Schäfer

Sollten Sie nähere Informationen über den Ethik-Liaisondienst wünschen, so würde ich mich gerne bei Ihnen und/oder Ihrem Team unverbindlich im persönlichen Gespräch vorstellen. Zur Terminabsprache können sie mir eine email schicken, oder Sie rufen mich zwanglos an und wir schauen gemeinsam nach einem günstigen Termin.

Email: julia.schaefer2@kgu.de

Telefon: 015776400923 oder Kurzwahl 17-9923

 

2012

Ethik-Liaisondienst

 

Seit Oktober 2011 wird die Implementierung eines Ethik-Liaisondienstes in verschiedenen Bereichen der Klinik betrieben.


Ein Ethik-Liaisondienst zeichnet sich - im Gegensatz zu der beantragten Ethikberatung - durch regelmäßige unaufgeforderte Präsenz im klinischen Alltag auf der Station aus.

Ein Ziel des Ethik-Liaisondienstes besteht in einem frühzeitigen Erkennen ethischer Konfliktsituationen im klinischen Alltag, um einer Verhärtung von Fronten präventiv zu begegnen.
Dazu wird klinisch tätigen Teammitgliedern bedarfsorientiert und niedrigschwellig, z. B. im Rahmen einer gemeinsamen Visite, das notwendige Wissen bezüglich ethischen und rechtlichen Grundsätzen angeboten.

Um die knappen Zeitressourcen der multiprofessionellen Teammitglieder nicht zu strapazieren, ist im Rahmen der Implementierung eine enge Vernetzung mit den bereits bestehenden stationsspezifischen strukturellen Vorbedingungen und Routineabläufen unbedingt anzustreben.

Weitere Themen 2012

  • OA Dr. Wilke (KAIS) stellt in der Novembersitzung ein interdisziplinäres Projekt vor, durch das Aufklärungsgespräche bei elektiven Eingriffen ergänzt werden sollen. Ziel des Projektes ist es, bei Patienten, die in der Folge eines Eingriffs mit erhöhter Wahrscheinlichkeit intensivmedizinisch behandelt werden müssen, durch unverbindliche Informationen zu den Themen Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht, die Bereitschaft zum Ausstellen einer Vorsorgevollmacht zu erhöhen und damit die Notwendigkeit einer späteren gesetzlichen Betreuung zu vermeiden. Zum einen wird auf diese Weise der Autonomie des Patienten besser genüge getan als bisher und zum anderen reduziert sich dadurch der koordinative Aufwand bei nicht mehr vorliegender Einwilligungsfähigkeit.
  • In den letzten Sitzungen wurde (im Anschluss an die Debatte in der allgemeinen Presse) intensiv über den Einfluss des DRG-Systems auf die klinische Praxis diskutiert. Es geht um den fraglichen Einfluss, den ökonomische Erwägungen unbewusst, bewusst oder gar durch entsprechende Bonussysteme motiviert auf die Indikationsstellung haben können: Werden „lukrative“ Maßnahmen eher durchgeführt als früher und wenn ja, welchen Einfluss hat das mittel- und langfristig auf den ärztlichen Beruf bzw. das Arzt-Patienten-Verhältnis?

    Vor dem Hintergrund dieser Diskussion schließt sich das Klinische Ethik-Komitee des Universitätsklinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität  einer diesbezüglichen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) an:

    DRG-Finanzierung der Krankenhäuser und Bonussysteme für Ärzte: Fehlentwicklungen durch falsche Anreize stoppen!

    Wiesbaden, Juli 2012

    Die Tätigkeit aller Ärzte unterliegt besonderen Ansprüchen, die in Kodices der ärztlichen Berufsethik festgeschrieben sind. Hierzu gehören vier wesentliche Prinzipien:

    (a) allen Patienten Fürsorge und Hilfe anzubieten (Primat des Patientenwohls),
    (b) Patienten nicht zu schaden („primum non nocere“),
    (c) das Selbstbestimmungsrecht der Patienten zu respektieren, sowie
    (d) Gleichheit und Gerechtigkeit bei der Behandlung zu wahren, was eine faire Ressourcenverteilung einschließt.

    Die Orientierung an diesem Berufsethos ist seit Hippokrates ein Grundgedanke ärztlicher Tätigkeit. Seine integere Ausübung hat der Ärzteschaft Vertrauen und Respekt verschafft und ist unverändert die Basis für den Kontrakt zwischen Ärzten, Patienten und der Gesellschaft.
    Unter den Bedingungen des DRG-Syst