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Präparat 59: Einschichtiges hochprismatisches Epithel, Kolon (Ratte), PAS-Färbung

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Apikal

an der Spitze gelegen; im Epithelverband direkt an der inneren oder äußeren Körperoberfläche gelegen.

Mikrovilli

Mikrovilli sind fingerförmige Ausstülpungen der Zellmembran an der apikalen Seite von Zellen. Die einzelnen Mikrovilli haben einen Durchmesser von ca. 100 nm und sind 1-2 µm lang. Einzelne Mikrovilli sind nur elektronenmikroskopisch sichtbar. Stehen sie sehr dicht (z. B. im Epithel des darmes) sind sie auch lichtmikroskopisch als Bürstensaum an der Zelloberfläche zu erkennen. Die Ausbildung von Mikrovilli führt zu einer enormen, ca. 25-fachen Oberflächenvergrößerung der Zelle. Mikrovilli enthalten ca. 40 gebündelte, längsverlaufende Aktinfilamente, die über spezifische Proteine an der Plasmamembran befestigt sind. Nach basal sind die Aktinfilamente an dichten, horizontal verlaufenden Teilen des Zytoskeletts, dem terminalen Netz (terminal web), verankert.

Kinozilien

zylindrische 0,2 µm dicke und meist 2-5 µm lange Differenzierungen der Zelloberfläche, die einzeln oder in büschel- und rasenförmigen Verbänden (Kinoziliensaum) auf der Zelloberfläche vorkommen. Sehr lange, spezialisierte Kinozilien, wie das 50 Mikrometer lange Schwanzstück der Spermien, werden als Flagellen oder Geißeln bezeichnet. Zilien und Flagellen besitzen ein einheitlich organisiertes Mikrotubulussystem (Axonema), das aus einer ringförmigen (zylinderförmigen) Anordnung von neun Mikrotubulusdoubletten und zwei im Zentrum gelegenen Einzeltubuli besteht.

Einschichtiges hochprismatisches Epithel

Epithel an resorbierenden Oberflächen, dessen Zellen höher als breit sind. Die Zelloberflächen sind durch 1-2 µm hohe Zytoplasmaausstülpungen, Mikrovilli, vergrößert, die im Lichtmikroskop als Bürstensaum imponieren. Die Zellen sind häufig apikal durch Zonulae occludentes verbunden, welche die Interzellularspalten verschließen.

Basallamina

extrazellulär gelegene, in der Regel ca. 1 µm dicke Struktur, die Epithelien bzw. Endothelien mit dem angrenzenden Bindegewebe verbindet und in der Regel lichtmikroskopisch nicht dargestellt werden kann. Sie besteht in erster Linie aus Kollagen (Typ IV), Glykoproteinen und sauren Proteoglykanen. Elektronenmikroskopisch lassen sich vier Schichten unterscheiden: 1. Lamina rara externa (Lamina lucida), sie grenzt direkt an die Plasmamembran des Epithels. 2. Lamina densa, eine mäßig elektronendichte, 20-120 nm dicke Schicht mit Typ-IV-Kollagen und Laminin, Proteoglykanen und Glykoproteinen. 3. Lamina rara interna, eine nicht immer erkennbare Schicht mit Fibronektin. Lamina rara und Lamina densa werden als Basallamina im eigentlichen Sinne bezeichnet. 4. Lamina fibroreticularis, die dickste Schicht (200 -500 nm dick), verankert die Basallamina am Bindegewebe und besteht aus einem Geflecht dünner retikulärer Fasern (Kollagenfibrillen, v.a. Typ III). In einzelnen Fällen ist die Lamina fibroreticularis besonders verdickt, so dass die Grenze zwischen Epithel und Bindegewebe im Lichtmikroskop zu erkennen ist. In diesem Fall spricht man von einer Basalmembran.

Kolon

Dickdarm; er schließt sich in der Fossa iliaca dextra mit einer quergestellten schlitzförmigen Einmündung, die durch zwei Schleimhautfalten (Valvae ileocaecales) hervorgerufen wird, dem Ileum an und setzt sich in Höhe des 3. Kreuzbeinwirbels in das Rektum fort. Charakteristisch sind: 1. die drei Taenien, ca. 1 cm breite Längsstreifen, zu denen die äußere Längsmuskulatur im Kolon zusammengefaßt wird; 2. die als Haustrae coli bezeichneten Aussackungen der Darmwand, denen auf der luminalen Seite die halbmondförmigen Plicae semilunares entsprechen; 3. Appendices epiploicae, die vor allem entlang der Taenien als fettgewebige Anhängsel des subserösen Bindegewebes auftreten. Die Schleimhaut des Dickdarms ist zottenlos, weist dafür aber tiefe, dicht gereihte Krypten und zahlreiche Becherzellen auf.

Krypten, Colon

Lieberkühn-Krypten; Glandulae intestinales; schlauchförmige Einsenkungen zwischen den Zotten, die bis zur Lamina muscularis reichen. Das Epithel wird in der Tiefe der Krypten flacher und der Mikrovillisaum der Enterozyten wird niedriger. Von der Tiefe der Krypten geht der Zellersatz aus, die neugebildeten Zellen wandern innerhalb von 36h von der Kryptentiefe zur Zottenspitze, wo sie nach 48h abgestoßen werden. Die Regeneration aller Zelltypen geht von den gleichen Stammzellen aus.

Becherzellen

Becherzellen sind unizelluläre, schleimproduzierende Drüsen, die zwischen den Säulenepithelzellen des Respirationstraktes und des Darms vorkommen. Sie machen in den Bronchien etwa 10 % der Epithelzellen aus. Sie produzieren hoch visköse Muzine, wesentliche Bestandteile der oberflächlichen Schleimschicht. Bei Rauchern ist ihre Anzahl erhöht.

Zotten

Villi intestinales; 0,5 bis 1,5 mm hohe Auffaltungen der Lamina epithelialis und der Lamina propria der Tunica mucosa, die die Resorptionsfläche des Dünndarms um das siebenfache vergrößern. Die Zotten sind in den einzelnen Darmabschnitten unterschiedlich geformt.

Lamina epithelialis mucosae, Colon

oberste Schicht der Tunica mucosa des Darmrohrs; die des Kolon und der Appendix vermiformis besteht aus hochprismatischem Epithel, das besonders in den tiefen Krypten zahlreiche Becherzellen aufweist. Die Mikrovilli der Saumzellen sind höher als die des Mitteldarms.

Lamina propria mucosae

liegt zwischen Lamina epithelialis und Lamina muscularis der Tunica mucosa, besteht aus lockerem Bindegewebe. In ihr finden sich zahlreiche Blut- und Lymphkapillaren sowie viele freie Zellen der Abwehr, z.B. Makrophagen and Lymphfollikel.

Lamina muscularis mucosae, Colon

unterste Schicht der Tunica mucosa aus mehreren Lagen glatter Muskelzellen. Die Lamina muscularis von Kolon und Appendix vermiformis ist kräftig entwickelt und besteht aus mehreren Lagen, die eine unterschiedliche Verlaufsrichtung einnehmen.

Folliculi lymphatici aggregati

(Peyer-Plaques) Ansammlungen von sekundären Lymphfollikeln mit hellem Reaktionszentrum in der Lamina propria mucosae und Tela submucosa, die die Lamina muscularis mucosae häufig verdecken. Die Peyer-Plaques enthalten bis zu 400 Follikel und erreichen eine Länge von 2-12 cm bei einer Breite von ca. 1 cm. Sie sind charakteristisch für das Ileum und stellen ein differentialdiagnostisches Kriterium dar.

In hochprismatischen (zylindrischen) Epithelien sind die Zellen höher als breit und besitzen einen länglichen Kern. Auf der apikalen Seite dieser Zellen befinden sich oft unbewegliche (Mikrovilli) und bewegliche (Kinozilien) Spezialisierungen. Bei einschichtig hochprismatischen Epithelien unterscheidet man das einreihige hochprismatische (alle Zellen erreichen die Oberfläche) vom mehrreihigen hochprismatischen Epithel (nicht alle Zellen erreichen die Oberfläche, aber alle haben Kontakt zur Basallamina). Außer in der Lamina epithelialis mucosae des Darms kommt hochprismatisches Epithel in den Atemwegen vor, wo es zweireihig bzw. mehrreihig vorliegt.

Im Gegensatz zur Schleimhaut des Dünndarms findet man im Kolon nur Krypten, die reichlich schleimproduzierende Becherzellen enthalten. Zotten sind nicht vorhanden. Der Aufbau des Organs ist folgendermaßen definiert: Insgesamt findet sich der für den Gastrointestinaltrakt typische histologische Aufbau. Abgrenzend zum Lumen hin findet sich die Lamina epithelialis mucosae, welche sich zu tiefen und sehr zahlreichen Krypten einsenkt. Eine Lamina propria und eine Lamina muscularis mucosae schließen sich der Lamina epithelialis an. Darunter findet sich eine Tela submucosa sowie daran anschließend eine Tunica muscularis. In der Lamina propria mucosae finden sich ferner Lymphfollikel, sog. Peyer-Plaques.